Ältere Menschen leben nicht nur immer länger, sie haben tendenziell heute auch mehr eigene Zähne als früher. Häufig sind sie jedoch nicht in der Lage, selbst die erforderliche Mundhygiene zu betreiben oder eine Praxis aufzusuchen.

Es besteht Bedarf für mobile zahnärztliche Versorgung - diese kann derzeit aber nicht flächendeckend gewährleistet werden, hieß es am Montag in Wien bei der Konferenz "Mundgesundheit bei Erwachsenen". Die von der Gesundheit Österreich GmbH und dem Gesundheitsministerium veranstaltete Fachtagung der Koordinationsstelle Zahnstatus steht ganz im Zeichen des demografischen Wandels und der daraus resultierenden Herausforderungen für die Mundhygiene-Therapie und -Prophylaxe bei Erwachsenen. Derzeit sind laut Expertenangaben hierzulande rund 560.000 Menschen pflegebedürftig, in 20 Jahren dürften es um die 800.000 sein. Aufgrund der umgekehrten Alterspyramide ist von einer doppelten demographischen Alterung auszugehen. Im Jahr 2050 dürften Herr und Frau Österreicher im Schnitt zwischen 84 und 89 Jahre alt werden.

Grundsätzlich sind die vorliegenden Daten auf den ersten Blick erfreulich, erläuterte Gerwin Arnetzl von der Grazer Universitätsklinik für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde. Waren beispielsweise 1993 27,8 Prozent der Senioren "bezahnt", lag die Zahl 2008 bereits bei 42,7 Prozent. Allerdings werden viele aufgrund der abnehmenden Mobilität und eingeschränkten Geschicklichkeit ihre Mundhygiene nur mangelhaft betreiben können. Zahnarztbesuche, sowohl zur Prophylaxe als auch bei Beschwerden, sind für viele Betroffene sehr beschwerlich - mobile zahnmedizinische Betreuung gerade für Patienten in häuslicher Pflege oder auch für Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen dürfte ein Konzept der Zukunft sein.

Arnetzl zitierte aus einer Diplomarbeit aus dem Jahr 2009, die sich mit mobiler Zahnmedizin in Niederösterreich befasste. Bedarf und Akzeptanz derartiger Versorgungsmöglichkeiten sind laut der Untersuchung zwar nachzuweisen, das Angebot fehlt aber besonders im Bereich häuslicher Pflege fast vollständig. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Mundgesundheit direkte Auswirkungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand hat, kann eine flächendeckende Versorgung die generelle Lebensqualität der älteren Bevölkerung erhöhen.

Wie Expertin Gabriele Sax darlegte, belegen laut "Mundgesundheitsbefragung 2010" die Zahlen zwar die stetige Verbesserung von Gebiss-Status und parodontaler Gesundheit der erwachsenen Bevölkerung generell, individueller Versorgungsbedarf in präventiver und kurativer Hinsicht bestünde aber weiterhin. Karies und Parodontitis zählen zu den Hauptkrankheiten im Mund, ergänzte Corinna Bruckmann von der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie. Vor allem letztere werde selten adäquat behandelt, auch wenn die halbjährige "Mundhygiene" für immer mehr Österreicher bereits dazugehört. Bruckmann sieht das kritisch: einerseits kann man unter "Mundhygiene" unterschiedlichste Behandlungen verstehen, andererseits brächten viele Patienten eine ganz individuelle Prophylaxe. Derzeit werde meist einfach "durchgeputzt".

Quelle: relevant.at

 

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