Wenn man so will, ist der aktuelle Ratgeber der Initiative Kiefergesundheit in Zusammenarbeit mit dem BDK/Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden ein Auftragswerk: Die Teilnehmer des Kongresses „Kinder – Zahn – Spange“ im vergangenen April in Frankfurt unter dem Titel „Kindlicher Bruxismus“ richteten zum Tagungsende die Bitte an die Veranstalter, die Informationen vom Kongresstag in einer Broschüre zusammenzufassen. Es hatte sich gezeigt, dass im Bereich Parafunktionen mit besonderem Blick auf Kinder wenig wissenschaftliches Wissen vorhanden war – und ist. So lieferten die Referenten vor allem ein Annähern an das Thema, ein Betrachten aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, um etwas mehr von dem zu verstehen und therapeutisch einzukreisen, was als Sorge der Eltern in den Praxen anbrandet. Es sind vorwiegend die Eltern, so berichteten Kinderzahnärzte und Kieferorthopäden übereinstimmend, die besorgt die Praxen aufsuchen und um Rat bitten: Ihr Kind knirsche, und dies irritiere sie. Eher selten dagegen geht die Bruxismus-Diagnose bei Kindern auf ein aktives Ansprechen der Eltern seitens der Ärzte zurück. Das hat auch fachliche Gründe, wie sich im neuen Ratgeber nachlesen lässt: Knirschen und Bruxen bei Kindern im Milchzahnalter ist meist sogar physiologisch sinnvoll und wird daher nicht als „unnatürlich“ erachtet. Kritisch wird die Situation, wenn das Knirschen und Bruxen nach dem Milchzahnverlust nicht endet: Was bei Milchzähnen sinnvoll sein kann, ist bei bleibenden Zähnen ein großes Risiko für Zahn- und Kieferschäden und auch für Störungen der Allgemeingesundheit.

Letztlich lassen sich zwei Ursachen für kindlichen Bruxismus feststellen: Auf der einen Seite können biologische Gründe wie eine falsche Zahn-/Kieferstellung zu Parafunktionen führen. Auf der anderen Seite ist aber auch die Lebensumwelt der Kinder häufig angefüllt mit belastendem Stress und Druck, der über die Zähne und das orale System abgebaut wird. Je nach Ursache ist naturgemäß die anstehende Behandlung anders konzipiert. Dabei können Kieferorthopäden bzw. spezielle kieferorthopädische Geräte auch bei nicht-somatischen Ursachen eine Helferrolle spielen: Wenn schon der „Stress“ nicht eliminierbar ist und therapeutisch eher eine Aufgabe für andere Heilberufe, so können Verfahren und technische Hilfsmittel der Kieferorthopädie zumindest die zerstörerischen Folgen für die bleibenden Zähne minimieren. Daten zeigen, dass ältere Kinder und Jugendliche mit bereits bleibenden Zähnen, die weiterhin knirschen, eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer CMD haben. Dass man nicht nur über körperliche Fehlstellungen und Fehlfunktionen, sondern auch über „Seelenstress“ bei Kindern nicht einfach hinweggehen und hinwegsehen sollte, zeigen Erfahrungen von Psychosomatikern, die sich ebenfalls im neuen IKG-Ratgeber widerspiegeln und zu mehr Kinderschutz motivieren.

Der Ratgeber, der unter Leitung von Dr. Gundi Mindermann, BDK-Vorsitzende und stellvertretende IKG-Vorsitzende, und dem wissenschaftlichen Leiter der Kongressreihe „Kinder – Zahn – Spange“, Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski/Charité erschienen ist, richtet sich an Praxen, aber auch direkt an die Eltern betroffener Kinder. Er kann ab sofort über die IKG bestellt werden. Wie alle IKG-Ratgeber, ist auch die neue Broschüre so angelegt, dass sie von Praxen als Patienteninformation an die Eltern und andere Erziehungsberechtigte weitergegeben werden kann.

 

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