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Geschrieben von: Dr. Kersten   
Freitag, den 16. Juli 2010 um 07:01 Uhr
Tüfteln, bohren, schrauben: In einem Görlitzer Unternehmen wird an neuen Lösungen für Zahn-Implantate gearbeitet. Der Markt scheint lukrativ – Dental-Ersatz wird immer stärker nachgefragt.

Der Geschäftsführer Michael Menzel steht im Büro seiner Firma Indi-Implant-Systems GmbH in Görlitz hinter einem übergroßen Zahnmodell. Bis zur geplanten Marktreife im September vergehen noch einige Wochen, doch bei Indi-Implant-Systems herrscht schon jetzt fiebrige Spannung. In den Laborräumen des jungen Görlitzer Unternehmens röhren die Maschinen, Geschäftsführer Michael Menzel scheint pausenlos auf dem Sprung zu sein. »Unser Produkt ist einzigartig«, verspricht der 49-Jährige mit einem Hauch Stolz und meint dabei die speziellen Zahn-Implantate, die er herstellt.

Einmaliges Konzept

Das Kerngeschäft der im Jahr 2009 gegründeten Firma ist der Dental-Ersatz. Das Innovative an Indi-Implant-Systems sind ihre einteiligen »Stecklinge« mit Wabenstruktur, die anhand von Computeranalysen individuell nach dem Kiefer der Patienten ausgerichtet werden. »Unser Konzept ist mit anderen nicht vergleichbar«, betont Menzel. Die meist aus Titan gefertigten Rohlinge kommen von Zulieferern; die Anpassung übernimmt seine Firma. Nach Angaben des Bundesverbandes der implantologisch tätigen Zahnärzte in Europa (BDIZ) gibt es heute mehr als 80 verschiedene Implantat-Systeme auf dem Markt.

Menzels einteilige Implantate benötigen kein Abutment. Das sind Verbindungsstücke, die den Implantatkörper, der im Kieferknochen einwächst, und den Zahnersatz verbinden. Da die Implantate mit ihrer Wabenstruktur quasi aus einem Guss sind, sinkt auch das Risiko von bakteriellem Befall. Gängig sind vor allem zweiteilige Implantate. Die gebräuchlichsten Implantatformen sind nach Angaben der Bundeszahnärztekammer Schrauben oder Stifte mit etwa drei bis vier Millimetern Durchmesser und sieben bis fünfzehn Millimetern Länge.

Einen wichtigen Ansatz verfolgt Zahntechniker-Meister Michael Menzel auch in der Vorbereitung, die die Firma in das Design der Implantate investiert. Anhand der Patientendaten werden Unikate produziert, die sich dann vom Zahnarzt reibungslos in den Kiefer einfügen lassen sollen. Computertomografen liefern die nötigen 3D-Modelle, die als »Landkarte« aufzeigen, welche spezielle Form das Implantat haben muss, um sich in den Knochen zu fügen.

Wachstumsmarkt

Seit mehr als 13 Jahren forschen Menzel und sein Kollege Henning Rörup auf dem Gebiet der modernen Implantologie. Im April 2007 meldeten sie ihr Patent an, die Lizenz für den europäischen Markt haben sie jüngst beantragt. Und auch zehn Länder im Rest der Welt sehen sie als potenzielle Klientel. »Wir sind der Überzeugung, dass die Nachfrage nach der Markteinführung sprunghaft ansteigen wird«, meint der gebürtige Görlitzer Menzel.

Mit seiner Innovation stößt der Vater dreier Kinder in einen Wachstumsmarkt. Schätzungen zufolge werden bundesweit pro Jahr mehr als eine Million Zahnimplantate gesetzt, die Zuwachsrate soll jährlich bei etwa 15 Prozent liegen. Mit rund 1000 Implantaten will sich Menzel positionieren. Sollte die Nachfrage höher ausfallen, könnte das Görlitzer Unternehmen mit seinem halben Dutzend Mitarbeitern aber schnell nachlegen, betont er und lehnt sich an einen lebensgroßen Zahn aus gehärtetem Kunststoff, der im Eingangsbereich wacht. 

Quelle: lr-online.de