Implantate gelten in der Zahnmedizin als die moderne Lösung bei Zahnverlust. Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) weisen stetig wachsende Patientenzahlen aus, die diese Art des Zahnersatzes wählen. Mehr als eine Million Implantate werden demnach in Deutschland pro Jahr in den Kiefern der Patienten verankert - Tendenz weiter steigend. Mehr als achtzig verschiedene Implantatsysteme gibt es auf dem Prothetikmarkt, kein Implantologe kann deshalb alle Systeme in seiner Praxis verfügbar haben, und die fünf größten Hersteller teilen sich Dreiviertel des Marktes. Bei den erprobten und bislang ausgeführten Verfahren wurden meist Zähne durch Implantate ersetzt, die schon über Monate oder Jahre fehlten. Die Zahnimplantate heilen unbelastet für zwei bis sechs Monate unter der vernähten Mundschleimhaut ein. Danach wird erst der eigentliche Zahnersatz aufgesetzt und das Implantat kann seine Kaufunktion übernehmen.

Sofort belastbare Implantation ist oft mehr Werbung als Versprechen

Immer häufiger wird für die Möglichkeit der verkürzten Behandlungszeit durch Sofortimplantation geworben. Sogar eine Sofortbelastung der neuen Zähne wird versprochen. Dabei stellen die Zahnentfernung und das Einbringen des Implantats in den Kieferknochen noch in der gleichen Sitzung kein wirklich neues zahnchirurgisches Konzept dar. "Sofortimplantationen sind Versprechen, die nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen gehalten werden können, die Anwendungsbreite liegt bei maximal 10-15% der Fälle", kritisiert Dr. Désirée Burg, Zahnärztin und Expertin auf dem Gebiet der Implantologie in der Gemeinschaftspraxis Dr. Burg, Dr. Schmelzer & Partner in Idar-Oberstein. Die scheinbaren Vorteile einer Sofortimplantation können aus ihrer Sicht nicht das erhöhte Risiko eines kompletten Implantatverlusts, insbesondere bei Entzündungen, aufwiegen. "Besonders kritisch sehe ich die Kombination aus Sofortimplantation und Sofortbelastung. Hier maximiert man das Risiko eines Implantatverlustes", so Dr. Burgs Argumentation.
 
Zahnimplantate richtig verankert halten über Jahrzehnte

Aus Sicht der Patienten wirkt die Idee des in einer einzigen Behandlung gesetzten, sofort belastbaren neuen Zahns überzeugend. Verzögert gesetzte Implantate haben jedoch weiterhin die beste Einheilungsprognose von nahezu 100 Prozent. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zu Sofortimplantationen mit Sofortbelastung sind zudem noch nicht aussagekräftig genug. Dagegen haben umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen und die klinische Praxis als Erfahrung gezeigt, dass nach der Implantatsetzung zwei bis sechs Monate vergehen müssen, bis ein Zahnimplantat mit dem Kieferknochen einen festen Verbund eingeht. Die Wünsche des Patienten sollten die Vorgehensweise eines erfahrenen Implantologen nicht ausschließlich bestimmen, zumal die Liste der Risikofaktoren lang ist - Entzündungen, Knochendefizite, ungünstig geformte Wurzel-/Zahnanatomie, Mikrofrakturen der umgebenden Knochenflächen/-wände. Andere allgemeine Faktoren wie Rauchen, Immunsuppressionen, schlechte Mundhygiene, die Behandlung mit Bisphosphonaten bei Tumorerkrankungen oder Osteoporose spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Therapieplanung.

Angebote, die eine Sofortimplantation mit anschließender Sofortversorgung und Sofortbelastung in jedem Falle versprechen, haben daher eher werbenden Charakter und sind mit Vorsicht zu genießen. "Wir raten aus diesen Gründen in vielen Fällen von einer Sofortversorgung mit sofortiger Belastung der neuen Zähne ab. Komplikationen und zusätzliche Behandlungen sind nicht vorhersehbar. Aus unserer Sicht sollte es vor jedem Eingriff bei einer genauen Planung und Risikoabschätzung bleiben, um dem Patienten das perfekte Ergebnis zu bieten", so das Fazit von Dr. Burg. Allerdings muss auch bei einer verzögerten Sofortimplantation kein Patient die Behandlungszeit mit Zahnlücken oder gar zahnlos verbringen: Eine Übergangsversorgung durch eine Krone oder Prothese überbrückt in der Regel die Zeit, bis die eingepflanzten Implantate voll belastbar sind.

Quelle: fairnews.de
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