Nach einer Veröffentlichung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie sind 45 bis 65 Prozent der erwachsenen Deutschen an Parodontitis erkrankt und tragen ein entsprechend höheres Risikopotenzial für weitere Erkrankungen, die ursächlich durch körperliche Entzündungszustände hervorgerufen werden. Zu diesen gehören insbesondere Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Atemwegserkrankungen und sogar Diabetes mellitus. Darüber hinaus wurden negative Einflüsse auf die Gesundheit während Schwangerschaften signifikant häufiger bei Parodontitispatientinnen festgestellt, wie die Chefärztin der Dentaprime Zahnklinik in Varna, Dr. med. dent. Regina Schindjalova, im Gesundheitsportal www.imedo.de berichtet.

Parodontitis als Nachfolgeerkrankung der Parodontose
 
Als Parodontose bezeichnet man den Zahnfleisch-Schwund rund um den Zahn bis zum Zahnbett. Bei der Parodontitis spricht man dagegen von einer bakteriellen Entzündung, wie die Endung „-itis“ (Entzündung) schon erahnen lässt. Diese beginnt – faktisch als Nachfolgeerkrankung der Parodontose – mit dem Angriff von Bakterien auf Zähne und Zahnfleisch. Viele Menschen sagen fälschlicherweise „Paradontose“, obwohl nur der Begriff Parodontose mit „o“ richtig ist.

Zunächst setzen sich Bakterien an den Oberflächen der Zähne fest, vermehren sich und greifen dann auf das Zahnfleisch über. Bei der folgenden Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) schwillt dieses an und rötet sich. Wird auch das Zahnbett von der bakteriellen Entzündung betroffen, handelt es sich um eine Parodontitis. Das Zahnfleisch weicht weiter zurück und hinterlässt dabei Lücken vom Zahnfleisch zum Zahn. In diesen Zahnfleischtaschen und deren Vertiefungen bilden sich weitere Bakterienherde, die den gesamten Zahnhalteapparat bis zu den Zahnwurzeln und dem Kieferknochen regelrecht untergraben. In letzter Konsequenz führt dies zur Lockerung und zum Ausfall von Zähnen. Deutliche Symptome der Parodontitis sind das Bluten des Zahnfleisches schon bei leichter Berührung, zum Beispiel beim Zähneputzen, und seine stetige, sichtbare Rückbildung.

Wechselwirkungen zwischen Mundgesundheit und allgemeiner Gesundheit
 
Allgemeinmediziner und Zahnärzte sind sich darüber einig, die Parodontitis nicht als isolierte Erkrankung des Zahnfleisches zu definieren. Tatsächlich werden viele Allgemeinerkrankungen über Entzündungsherde im Körper ausgelöst. Über die durch Parodontitis entstandenen, von außen nicht sichtbaren Wunden zwischen dem Zahnfleisch und der Zahnwurzel können Bakterien aus der Mundhöhle in die Blutbahn gelangen und bestehende Entzündungsherde erreichen. Bakterien können so auch an weit entfernten Stellen im Körper autark Entzündungen auslösen. Die Ergebnisse zahlreicher medizinischer Forschungsprojekte bestätigen diese Wechselwirkungen zwischen der Mundgesundheit und der allgemeinen Gesundheit.

Behandlungsmöglichkeiten gegen Parodontitis?
 
Je früher die Parodontitis erkannt wird, desto größer sind die Behandlungserfolge. Da diese Erkrankung jedoch meist völlig ohne Zahnschmerzen und damit unbemerkt verläuft, ist die halbjährliche Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt dringend zu empfehlen.
Ist die Parodontitis diagnostiziert, beginnt die Behandlung mit einer professionellen Zahnreinigung. Dabei entfernt der Zahnarzt mittels Ultraschall und weiteren Techniken alle harten und weichen Zahnbeläge. Der Patient wird außerdem darin geschult, wie er mit Zahnbürste, Zahnseide und Interdentalbürste richtig umgehen muss, um eine optimale Zahnhygiene zu erreichen. Anschließend reinigt und desinfiziert der Zahnarzt die Zahnfleischtaschen, in denen sich die Bakterien eingenistet haben. Hierzu nimmt er eine sogenannte Kurettage vor, bei der mit speziellen Instrumenten die Taschen ausgeräumt werden. Die Knochen können sich nach dieser Behandlung wieder regenerieren.

Bei schwerer Parodontitis, also weitgehendem Knochenabbau und unästhetischen, freistehenden Zahnhälsen, füllt der Zahnarzt die betroffenen Regionen mit Knochenersatzmaterial auf und bedeckt die Knochentasche mit einer selbst auflösenden Membran. Freiliegende Zahnhälse bedeckt der Zahnarzt durch eine kosmetisch-operative Rekonstruktion des Zahnfleisches. Ziel ist, den Halteapparat des Zahns und das Zahnfleisch funktional und ästhetisch wiederherzustellen. Erst nach der Behandlung von Parodontitis kommen Zahnkronen oder ein Implantat zum Einsatz, sofern das erforderlich ist.

5 Tipps zur Vorbeugung gegen Parodontitis?
Das körpereigene Immunsystem ist auch für die Abwehr der Bakterienangriffe im Mundraum verantwortlich. Folgende wirkungsvolle Maßnahmen empfiehlt imedo.de, um der Parodontitis vorzubeugen:

1. Putzen Sie sich mindestens zweimal täglich die Zähne – unbedingt einmal vor dem Schlafengehen. Während des Schlafes sondern die Speicheldrüsen nur wenig Speichel ab, weshalb sich dessen leicht desinfizierende Wirkung nicht optimal entfalten kann. Essen Sie nach dem Zähneputzen und vor dem Schlafengehen nichts mehr.

2. Verwenden Sie täglich Zahnseide und bei größeren Zahnzwischenräumen eine Interdentalzahnbürste. Den korrekten Umgang mit dieser Spezial-Zahnbürste und der Zahnseide zeigt Ihnen eine ausgebildete Dentalhygienikerin bei Ihrem Zahnarzt, zum Beispiel bei der professionellen Zahnreinigung.

3. Verwenden Sie morgens und abends eine Mundspülung mit nachgewiesener Wirkung. Zwar kann und soll eine Mundspülung die Zahnbürste nicht ersetzen, sie hilft jedoch, die Keimbelastung im Mund effektiv niedrig zu halten.

4. Benutzen Sie unbedingt einen Zungenreiniger. Bis zu 60 Prozent der Keime in der Mundhöhle sitzen auf der Zunge.

5. Die halbjährliche Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt ist dringend zu empfehlen. Lassen Sie dabei immer auch eine professionelle Zahnreinigung durchführen.

Quelle: gesundheitsnews.de
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