Um die Mundhygiene ranken sich etliche Mythen, die sich hartnäckig halten, obwohl sie Schaden anrichten können. Bei den Grundregeln rund um Zahnbürste, Karies und Mundspülung herrscht häufig eine erschreckende Unwissenheit. 

Lange Zeit hieß es z.B., dass jedes Kind einen Zahn kostet. Doch Frauen müssen sich bei einem positiven Schwangerschaftstest keine Sorgen um ihr Gebiss machen. «Es stimmt zwar, dass die besondere hormonelle Situation in der Schwangerschaft auch Auswirkungen auf die Mundhöhle hat», räumt Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative ProDente, ein. Aber einen Zahn verlieren werdende Mütter deshalb nicht zwangsläufig.

Allerdings sei es ratsam neben dem Frauenarzttermin auch beim Zahnarzt vorbeizuschauen. Parodontitis kann im schlimmsten Fall eine Fehl- oder Frühgeburt begünstigen. «Es besteht eine starke Wechselwirkung zwischen den Zähnen und dem restlichen Körper», so Kropp. Bei der Ernährung müssen Schwangere aber zum Schutz der Zähne keine großen Sprünge machen. «Aufs Bauchgefühl hören ist da der beste Rat», sagt Kropp. Selbst wenn Schokolade auf dem täglichen Speiseplan steht. Unproblematisch: «So lange anschließend die Zahnbürste zum Einsatz kommt», so der Zahnexperte.

Doch sollte niemand direkt vom Esstisch aufstehen und ins Bad rennen, um sich die Zähne zu putzen. Besonders wenn säurehaltiges Essen oder Getränke Teil der Mahlzeit waren, ist dies kontraproduktiv. Denn: Durch die Säure, wie etwa in Säften enthalten, wird der Zahnschmelz aufgeweicht, sodass gutgemeintes Schrubben den Zahn förmlich wegraspelt.

Kaugummi ja, Apfel nein

«Wenn ich morgens einen Orangensaft zum Frühstück trinke, warte ich mit dem Zähneputzen mindestens eine halbe Stunde», sagt Kropp. In der Zwischenzeit sollte das Feld dem Speichel überlassen werden, der die Zähne mit Mineralien versorgt und den Schmelz wieder erhärten lässt. Auch ein bisschen Wasser kann den Säuregehalt im Mundraum etwas verdünnen. Der Irrglaube, dass ein Apfel im Notfall das Zähneputzen ersetzen kann, scheitert an eben jener Säure des Apfels. Aber auch am Fruchtzucker.
Zähneputzen sollte nach jeder Mahlzeit auf dem Plan stehen. Schließlich hängen dann die Speisereste im Gebiss fest. Doch viele putzen sich bereits die Zähne, bevor sie sich an den Frühstückstisch setzen. Ist ja auch verständlich, sagt Kropp. Schließlich ist das pelzige Morgengefühl im Mund unangenehm. Das vorgezogene Putzen sollte nach dem morgenlichen Müsli wiederholt werden, damit die Bakterien kein Futter finden.
Insgesamt ist dreimal täglich putzen wichtig. Klappt das mal nicht, können Zahnpflegekaugummis helfen. «Aber zuckerfrei müssen sie sein», rät Kropp. Das Kauen regt den Speichelfluss an, der zumindest für ein wenig Selbstreinigung sorgt.

Auch Milchzähne brauchen Pflege

Eins der größten Missverständnis, die rund um die Zahnpflege kreisen, ist es, die Milchzähne vernachlässigen zu können, weil sie eh ausfallen. Doch nicht alle Milchzähne verabschieden sich gleichzeitig und machen Raum für ihre Nachfolger. Hat sich auf den ersten Zähne Karies gebildet, greift dieser schnell auf die Zweitzähnen über.
Kinder sollten ohnehin vom ersten Zähnchen an lernen, dass gründliches Zähneputzen dazugehört. «Bei Babys kann man mit einem Hauch von Zahncreme und einem Wattestäbchen putzen und dann langsam auf Kinderzahnbürsten umsteigen», sagt Kropp. Ob nun fruchtige Kinderzahncremes oder von Anfang an eine schärfere Variante für Erwachsene, das bleibt jeder Familie überlassen.
Wichtig ist ein gesundes Kindergebiss, um Angst vorm Zahnarzt gar nicht erst entstehen zu lassen. «Wer schon als Kind schlechte Erfahrungen mit einem großen Bohrer hat, der assoziiert den Zahnarzt auch später mit nichts Positivem», ist der ProDente-Chef überzeugt.

Die richtige Putztechnik zählt

Was Kinder, aber auch viele Erwachsene, als richtige Putzmethode lernen müssen, ist, dass festes Schrubben zwar von viel Eifer zeugen mag, den Zähnen aber nicht gut tut. «Da kann es zu regelrechten Erosionen kommen», so Kropp. Ein Indikator dafür, dass der Druck zu stark ist: Die Borsten stehen nach nur kurzer Zeit völlig zerfranst in alle Richtungen ab. Den richtigen Druck kann man aber testen. Etwa mit einer elektronischen Küchenwaage, rät Kropp. Einfach mit dem Bürstenkopf draufdrücken und bei 150 Gramm anhalten. «Das ist weniger als man denkt», so Kropp.
Geputzt wird mit einer horizontalen, leicht rüttelnden Bewegung. Ganz systematisch erst die äußeren Kaufflächen, dann die inneren. Dabei hält man den Bürstenkopf in einer Neigung von 45 Grad mit den Borstenspitzen zum Zahnfleisch. Wer besonders gründlich sein will, fegt das Gebiss mit vertikalen Bewegungen von rot nach weiß anschließend noch aus.

Gründliches Putzen ist sowohl mit elektrischen Zahnbürsten als auch mit Handzahnbürsten möglich, ist Kropp überzeugt. Aber: Die elektrischen übernehmen einen Teil der richtigen Bewegungen schon von alleine. Ausgetauscht werden sollten die Bürstenköpfe in jeden Fall etwa alle drei Monate. Wer sich kein Kreuz im Kalender machen will, der kann sich als Gedächtnisstütze ans Quartal halten.

Zahnseide, Spülungen und Co.

Damit auch die unzugänglichen Lücken nicht vernachlässigt werden, ist Zahnseide ratsam. «Aber die ist oft so schwierig anzuwenden, dass viele sie gar nicht erst benutzen», bedauert Kropp. Das könne man deutlich an den niedrigen Verkaufszahlen ablesen. Spülungen, die der Flouridierung der Zähne dienen, hätten ihre Berechtigung. Kosmetische Mittelchen, die Mundgeruch bekämpfen wollen, sind nach Kropps Meinung dagegen überflüssig.
Während noch vor einigen Jahren Kinder täglich Flouridtabletten bekommen haben, um die Zähne widerstandsfähig zu machen, setzt die Zahnmedizin heute eher auf flouridierte Zahncremes und Salz mit Flourzusatz. Das ist näher am Zahn dran und wirkt deshalb besser, ist man heute überzeugt.
Wer glaubt, dass nur süße Nahrung das Gebiss angreift, der liegt falsch. Denn gerade stärkehaltige Lebensmittel, wie etwa Chips, bieten idealen Nährboden für die Bakterien. «Auch was an Zucker im Ketchup steckt, ist unfassbar hoch», ärgert sich Kropp. Besonders was speziell für Kinder hergestellte Lebensmittel betrifft, könne man immer davon ausgehen, dass dort eine Extraportion des Zahnkillers versteckt wurde. Ein weiterer Grund sich für seinen Nachwuchs und die Zahnpflege jeden Abend ein Extrazeit einzuräumen.

Quelle: News.de
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