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Zahnprobleme bei Zuckerkrankheit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dr. Kersten   
Dienstag, den 14. September 2010 um 11:12 Uhr

Eine weitverbreitete Folge vom Diabetes sind erhebliche Probleme rund um die Mundhöhle. Patienten sind in der Regel dreimal so häufig betroffen wie Menschen ohne Diabetes. Diabetes – volkstümlich Zuckerkrankheit genannt – beeinflusst die Gesundheit von Zähnen, Zahnfleisch und –schmelz gerade deshalb, weil die Krankheit wesentlich anfälliger für bakterielle Infektionen macht. Diese Munderkrankungen bringen wiederum Probleme für den gesamten Organismus mit sich, da eine Parodontitis (Zahnbettentzündung) im Umkehrschluss die Diabetestherapie negativ beeinflussen kann.

Diabetes mellitus ist eine chronische Krankheit, die zwar sehr gut kontrolliert und behandelt werden, jedoch bis heute nicht geheilt werden kann. Vor dem Hintergrund vieler anderer Folgeerkrankungen wissen viele Diabetiker nicht, dass der durch die Krankheit veränderte Stoffwechsel auch die Zahngesundheit erheblich beeinflusst. Das Hormon Insulin ist für die Regulation des Blutzuckerspiegels verantwortlich. Liegt ein Mangel vor, sind die Blutzuckerwerte erhöht, was wiederum zu Ablagerungen sowie zu Funktionsbeeinträch-tigungen und Durchblutungsstörungen an den kleinen Gefäßen führen kann. Diese Störungen, auch Miroangiopathien genannt, wirken sich auf die gesamte Versorgung von Gewebe und Zahnfleisch mit Sauerstoff und Nährstoffen aus.

Erhöhte Anfälligkeit für Bakterien

Diabetiker reagieren weit häufiger und auch wesentlich heftiger auf bakterielle Reize als gesunde Menschen. Zusätzlich leiden sie oftmals an einer Wundheilungsstörung. Sie sollten demnach insbesondere auf eine optimale Mundhygiene achten, um Erkrankungen am Zahnhalteappart, wie Gingivitis (Zahnfleischentzündung) oder Parodontitis, vorzubeugen. Erhöhte Blutzuckerwerte haben außerdem einen verminderten Speichelfluss zur Folge, der jedoch eine wichtige Aufgabe übernimmt. Der Speichel verdünnt zum einen die Säuren, die durch Zucker in der Mundhöhle entstehen. Zum anderen enthält der Speichel wichtige Abwehrstoffe gegen Bakterien. Als Mineralstofflieferant ist er auch dafür zuständig, beginnende Zahnschäden zu beheben.

Vorbeugen: Mundhygiene ist sehr wichtig

Um die Zahl der Mundbakterien so gering wie möglich zu halten, können Diabetiker einiges tun. Zu allererst sollte der Stoffwechsel sehr gut eingestellt sein, damit es zu keinen Blutzuckerschwankungen kommt. Stabile, normale Blutzuckerwerte beugen dabei nicht nur Zahnerkrankungen, sondern auch vielen anderen  Folgeerkrankungen vor. Bei der weiteren Prophylaxe gilt für Diabetiker das gleiche wie auch für gesunde Menschen. Die Zähne sollten zweimal täglich mit kreisenden Bewegungen geputzt und die Zahnzwischenräume zusätzlich einmal täglich mit einem speziellen Hilfsmittel wie Zahnseide oder Interdentalraumbürstchen gereinigt werden. Zum besonderen Schutz eignen sich als Zahnpasta täglich eine fluoridhaltige Paste sowie zusätzlich einmal wöchentlich ein spezielles Fluoridgel aus der Apotheke. Zur Vorbeugung von Bakterien, die zwischen den Zahnbürstenborsten sitzen, sollte die Zahnbürste etwa alle sechs Wochen gewechselt werden. Um zwischen den Mahlzeiten den Säurehaushalt zu neutralisieren oder zumindest so gering wie möglich zu halten, sind zuckerfreie Zahnpflegekaugummis empfehlenswert. Auch kann mit einer gesunden Ernährung der Zahnschmelz gestärkt und die Anfälligkeit reduziert werden. Raucher sollten im besten Fall ihr Laster aufgeben, da Nikotin zusätzlich den Zahnschmelz angreift und die Bakterienverbreitung fördert. ?Darüber hinaus sollten Diabetiker grundsätzlich zweimal pro Jahr den Zahnarzt zur Kontrolle aufsuchen - unabhängig davon ob Beschwerden vorliegen. Liegt bereits eine  Zahnfleischentzündung vor, sollte der Arzt umgehend aufgesucht werden.

Parodontitis in Kurzform

Bei Diabetikern tritt am häufigsten die zahn-medizinische Erkrankung Parodontitis auf. Bemerkbar macht sie sich, indem das Zahnfleisch zurückgeht und die Zähne im Kiefer locker werden. Hauptursache dafür ist die Bildung von Zahnbelag (Plaque), da dieser Speisereste, Bestandteile des Speichels und vor allem Bakterien enthält. Durch den Speichel wird der Zahnbelag zu Zahnstein verhärtet, der wiederum eine mechanische Reizung verursacht. Die Bakterien tragen ihrerseits ihren Teil dazu bei, indem sie den in den Nahrungsmitteln enthaltenen Zucker zu Säuren verarbeiten. Durch diese Kombination entstehen häufig Rötungen und Schwellungen des Zahnfleischs - die sogenannte Gingivitis (Zahnfleischentzündung). Wird diese nicht rechtzeitig behandelt wird das Zahnfleisch blutig und eine Taschenbildung im Zahnfleisch ist die Folge. In dieser wiederum lagert sich ein neuer Belag ab, wodurch die Größe der Tasche so lange zunimmt, bis der knöcherne Teil des Zahnes ebenfalls angegriffen wird. Ab diesem Stadium spricht der Zahnarzt von einer: Parodontitis.

Parodontitis: Behandlung

Parodontitis lässt sich nach ihrem Auftreten nicht einfach beseitigen.  Dies gelingt nur, wenn der Patient übermäßig penibel auf seine Mundhygiene achtet und seine Zähne überdurchschnittlich sauber hält. Er muss besonders auf die regelmäßige Entfernung von Belägen auf dem Zungenrücken achten. Die Parodontitisbehandlung besteht grundsätzlich darin, den Entzündungszustand des Zahnfleisches sowie des Zahnhalteapparats zu beseitigen. Plaque, Zahnstein und andere  entzündungsfördernde Faktoren, wie Rauchen oder eine schlechte Ernährung, müssen ab sofort reduziert werden. In vielen Fällen dauert die Behandlung jedoch das ganze Leben: Ein Kreislauf beginnt. Der Patient muss immer wieder zum Arzt, um Plaque und Zahnstein entfernen zu lassen, um die Bildung von Zahntaschen zu vermeiden. Eine einmalige Kontrolle und Behandlung reichen nicht aus, da ein großes Risiko besteht, dass die Krankheit unbemerkt fortschreitet.

Einfluss auf Diabetes nachgewiesen

Seit längerer Zeit ist bekannt, dass Parodontitis den Diabetes mellitus sich wechselseitig beeinflussen. Beobachtungen zeigen, dass Zahnerkrankung Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Nach einer Parodontitisbehandlung ohne chirurgischen Einfluss von Diabetikern vom Typ-2 sank in Kombination mit einer Behandlung mit Antibiotika ihr Blutzuckerspiegel. Derzeit wird vermutet, dass die Parodontitis auslösende Bakterien eine entscheidende Rolle spielen. Um aber einen genauen Zusammenhang nachweisen zu können, sind noch weitere Forschungsarbeiten notwendig.

Quelle: diabetesgate.de