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Welche Probleme können bei Zahnimplantaten auftreten?

Rein statistisch gesehen gehört die zahnmedizinische Implantologie zu den besonders sicheren und intensiv erforschten Behandlungsmethoden in der Medizin. Doch auch bei einer Erfolgsrate von über 95% besteht die Möglichkeit, dass eben nicht jedes Implantat von Dauer ist. Es können während der Implantation Probleme auftreten, auch Komplikationen wie eine Periimplantitis (ob kurz nach der Implantation auftretend, oder Jahre danach), können zum frühzeitigen Implantatverlust führen.

Die Probleme mit Implantaten lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

  • Entzündungen am Implantat (Periimplantitis)

  • Probleme mit der Implantatkonstruktion (Lockerungen und Brüche durch dauerhafte Über- bzw. Fehlbelastungen)

Im Körper treten nirgendwo so hohe Kräfte auf, wie beim Kauen: übermäßige Last durch Hebelwirkung (z.B. zu hoher aufgesetzter Zahnersatz) kann neben Lockerung der Implantat-Innenschraube sogar zu Implantat-Brüchen führen.

Schwerste Komplikation bei Zahnimplantaten: die Periimplantitis

Zahnarzt berät PatientinDie Hauptursache für den frühzeitigen Implantatverlust, stellt die Periimplantitis dar und ist somit als schwerste Komplikation einzustufen.

Bei dieser Erkrankung kann es sich um eine Frühkomplikation oder eine Spätkomplikation handeln, denn die Entzündung kann sich entweder noch vor der Einheilung in den Knochen (Osseointegration) entwickeln, oder aber wesentlich später.

Entzündet sich das Gewebe um das Implantat in den Wochen nach der Implantation, so findet die Einheilung oftmals garnicht statt. Das Implantat kann mit dem Knochen keinen Verbund eingehen, es geht verloren. Als Spätkomplikation kann die Periimplantitis nach der Einheilung auftreten, es können sogar Jahre vergehen, bevor sich eine Entzündung entwickelt.

Durch einen unauffälligen Verlauf der Erkrankung, bleibt sie oft unentdeckt. Symptome wie dunkelrotes Zahnfleisch, das auf Berührung blutet, oder spontane Eiterentleerung, treten erst bei einer fortgeschrittenen Entzündung auf. Schmerzen hingegen sind selten.

Was ist eine Periimplantitis?

PeriimplantitisEine Periimplantitis beschreibt eine Entzündung des Gewebes um ein Zahnimplantat herum.

Die Entzündung wird durch die Anheftung von schädigenden Bakterien (in Form von Plaque) an der Implantatoberfläche verursacht. Auf diese Bakterien reagiert das Gewebe mit einer Entzündungsreaktion, die nicht nur das weiche Gewebe, sondern auch den umliegenden Knochen zerstören kann.

Durch den Knochenabbau verliert das Implantat seinen Halt im Knochen, es wird locker und geht letztendlich verloren.

Gingivitis: Vorstufe der Periimplantitis

Bei einer Entzündung des Zahnfleisches, ohne dass der Knochen betroffen ist, spricht man von einer Mucositis oder Gingivitis.

In diesem Fall ist der Erhalt des Implantats nicht zwangsläufig in Frage zu stellen, denn ein Verlustrisiko besteht nur, wenn die Entzündungsreaktion auf die Bakterien-Anheftung sich von dem betroffenen Zahnfleisch auf das umliegende Gewebe ausweitet.

Dann kann ein Knochenabbau des Kiefers erfolgen. Zwar wäre für diese Problematik die Bezeichnung periimplantäre Ostitis (Knochenentzündung) zutreffend, doch hat sich der Begriff der Periimplantitis durchgesetzt.

Schleichender Krankheitsverlauf: Periimplantitis bleibt oft unentdeckt

Entwickelt sich die Periimplantitis direkt nach der Implantation, findet die Einheilung (Osseointegration) oftmals garnicht statt. Das Implantat geht verloren.

Durch die Gegebenheiten im Mundraum, nämlich die Vielzahl von Bakterien, kann sich eine Periimplantitis bei nicht ausreichender Mundhygiene auch im Laufe der Zeit entwickeln.

Hierbei heften sich schädliche Bakterien in Form von Plaque an das Implantat an und rufen eine Entzündungsreaktion des umliegenden Gewebes hervor. Genau wie der Verlauf der vergleichbaren Parodontitis bei natürlichen Zähnen, ist eine Periimplantitis unauffällig, also ohne oder nur mit geringen Beschwerden verbunden.

Während Schmerzen meist ausbleiben, können Blutungen bei der Implantatpflege ein erstes Symptom sein. Ist die Entzündung bereits fortgeschritten, macht sie sich durch düster-rotes Zahnfleisch und spontane Blutungen und Eiterentleerung bemerkbar.

Wie entsteht eine Periimplantitis?

Bakterien im Biofilm

Hervorgerufen wird die Periimplantitis durch die Anheftung schädlicher Bakterien und der daraufhin einsetzenden, körpereigenen Entzündungsreaktion.

Die meisten Bakterien in der Mundhöhle sind harmlos und für die Mundflore nützlich. Wenige Arten sind jedoch der Auslöser spezieller Erkrankungen, wie beispielsweise Karies, Parodontitis oder eben Periimplantitis.

Entstehen kann eine Periimplantitis, wenn der Bereich um den Implantataufbau nicht richtig gereinigt wird.

Nur dann können sich Bakterien und Plaque ansiedeln und Schaden anrichten!

Folgende Bakterien sind als Verursacher der Periimplantitis und der vergleichbaren Parodontitis bekannt:

  • Bacteroides forsythus
  • Aggregatibacter actinomycetemcomitans
  • Porphyromonas gingivalis
  • Treponema denticola
  • Prevotella intermedia 

Entzündungsreaktion des Körpers: Gewebe-Abbau

Frau hat starke Zahnschmerzen

Im Laufe der Evolution hat sich unser Immunsystem weiterentwickelt, um Angriffe durch Bakterien und Viren bestmöglich abwehren zu können.

Bei einer Immunschwäche sind diese ausgeklügelten Mechanismen nicht bzw. nicht voll einsatzfähig: der Mensch wird krank.

Immunsystem "schießt über das Ziel hinaus"

Bei der Periimplantitis liegt das Problem jedoch meistens nicht in einer immunschwachen Abwehr, viel häufiger ist das genaue Gegenteil das Problem.

Die Abwehrreaktion auf die Entzündung tötet nicht nur die verursachenden Bakterien ab, sondern auch das umliegende (eigene) Gewebe.

In individuell unterschiedlichem Maße aktiviert das Immunsystem des Körpers bestimmte Abbauenzyme, das um das Implantat liegende Gewebe wird „abgebaut“.

Ein Ansatz zur Behandlung einer Periimplantitis ist, diese Immunabläufe zu unterdrücken. Da Entzündungsreaktionen je nach Immunsystem anders ausfallen, entwickelt nicht jeder Mensch bei der Anheftung potenziell schädlicher Bakterien automatisch eine Periimplantitis, oder eine vergleichbare Parodontitis.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Periimplantitis?

Die Bakterien alleine reichen für die Entzündung des umliegenden Gewebes und den Knochenabbau nicht aus, und nicht jeder Mensch entwickelt bei Anheftung potentiell aggressiver Bakterien eine Periimplantitis.

Es kommt immer auf die individuelle biologische Reaktion des Körpers an, wie das Immunsystem mit den Bakterien „umgeht“. Es gibt jedoch gewisse Risikofaktoren, die eine Periimplantitis begünstigen:

Mangelhafte Mundhygiene: Periimplantitis vorprogrammiert

Zähneputzen mit einer Handzahnbürste

Die Grundvoraussetzung für ein gesundes Implantat ist die richtige Pflege. Bei einer optimalen Mundhygiene und zusätzliche Pflegemaßnahmen wie einer professionellen Zahnreinigung (empfohlen 2x jährlich), minimiert sich das Risiko einer Entzündung durch Plaque-Anheftung eindeutig.

Ist die Pflegbarkeit einer Implantat-Konstruktion von Anfang an eingeschränkt, ist der Verlust durch eine Periimplantitis praktisch vorprogrammiert.

Hohes Periimplantitis-Risiko durch Rauchen

Bestens erforscht ist das Rauchen als Risikofaktor für eine Periimplantitis. Sowohl die Misserfolgsrate bei der Einheilung, als auch das Risiko, ein Implantat Jahre nach der Implantation zu verlieren, ist bei Rauchern zwischen 2 bis 4 mal höher.

Problematisch bei der ohnehin symptomatisch unauffällig verlaufenden Erkrankung ist, das Diese bei Rauchern in der Ausprägung der Symptome noch geringer ausfällt. Entzündungszeichen wie eine Verfärbung des Zahnfleisches und spontanes Bluten können gering oder garnicht auftreten. Regelmäßige Besuche beim Zahnarzt sind daher unbedingt notwendig!

Periimplantäre Folgen durch chirurgische Fehler während der Implantation

Zahnbehandlung

Eine Periimplantitis kann sich auch nach einer erfolgreichen Implantation entwickeln. Chirurgische Fehler während einer Implantation können eine Entzündung jedoch begünstigen.

Das Zahnfleisch schützt den darunter liegenden Knochen und hat ernährende Funktion. Wird es bei ungünstiger Schnittführung während der Implantation oder Knochenaufbau-Maßnahmen verletzt, können die Funktionen eingeschränkt sein.

Lösen sich im Laufe des Heilungsprozesses die OP-Nähte, können Bakterien durch das offene Zahnfleisch eindringen und sich am Knochen anheften und Einfluss auf die Ernährung des Knochens nehmen.

Individuelle biologisch-anatomische Faktoren haben Einfluss

Bei einem sehr dichten Knochen, ist auch der Anteil an Blutgefässen geringer. Die Durchblutung funktioniert schlechter. Die Dichte erschwert außerdem die Implantatbohrung: der Knochen kann leichter überhitzen.

Auch bleibt bei einem schmalen Knochen (transversaler Knochenmangel) nach Einbringung eines Implantats, nur wenig Knochen ringsum, was Einfluss auf die Versorgung durch nicht ausreichende Blutgefässe haben kann.
Nimmt der Knochen Schaden, kann ein Knochenabbau die Folge sein.

Das Zahnfleisch sollte fest sein und nicht nur Zähne, sondern auch Implantate umfassen. Eine fixierte Gingiva schützt vor bakteriellen Angriffen und anderen Belastungen, folglich entzündet es sich weniger schnell. Bei weichem, unbefestigtem Zahnfleisch um ein Implantat, ist es für Bakterien leichter, sich in Schlupfwinkeln anzuheften und eine Entzündung hervorzurufen.

Zahnersatz kann nicht richtig gepflegt werden

Mann benutzt Zahnseide

Der aufgesetzte Zahnersatz spielt bei der Haltbarkeit der Implantate eine gewaltige Rolle.

Zum einen muss er so gestaltet sein, dass Überlastung bzw. Fehlbelastung vermieden werden, zum anderen muss der Patient in der Lage sein, eine einwandfreie Implantatpflege betreiben zu können.

Bei Konstruktionen, die sich vom Patienten trotz penibler täglicher Pflege nicht richtig säubern lassen, ist eine Entzündung durch anheftende Bakterien vorprogrammiert.
Weit weniger offensichtlich als schlechte Pflegbarkeit des aufgesetzten Zahnersatzes, ist die Plaque-Anheftung in Mikrospalten von Implantatkonstruktionen.

An den Grenzlinien bei zweiteiligen Implantaten zwischen Implantat und Aufbau existiert ein Mikrospalt, in dem sich nachweislich Bakterien anheften können. Durch die Nähe zum Knochen stellt das kontinuierliche Abtropfen (Leakage) der Bakterien ein Entzündungsrisiko dar.
Bei Mikrobewegungen zwischen Implantat und Aufbau erhöht sich die Bakterienfreisetzung. Bei der Wahl des Implantats sollte eine „bakteriendichtere“ Innenverbindung oder eine Konstruktion mit „Platform Switching“ von Vorteil sein.

Begleiterkrankungen, Medikamenteneinnahme und immungenetische Faktoren spielen bei Periimplantitis-Ausmaß eine Rolle

Ähnlich wie bei Parodontitis, reagiert das Immunsystem mit bestimmten Abwehrmechanismen gegen schädliche Bakterien.

Durch genetisch festgelegte Reaktionsmuster, werden im Kampf gegen Bakterien bestimmte Abwehrzellen produziert: Lymphozyten, Granulozyten und Fresszellen (Monzyten; Gewebsmakrophagen).

Laserbehandlung beim Zahnarzt

Diese setzen während ihrer Aktivität oder ihres Absterbens Enzyme frei. Handelt es sich bei den freigesetzten Enzymen um Eiweiss(Kollagen)-abbauende Enzyme, so sorgen sie dafür, dass das Gewebe um die ursprüngliche Entzündung abgebaut wird: Das weiche Gewebe und der Knochen werden zerstört.

Für den Abbau von Gewebe werden Matrixmetalloproteinasen MMP-8 (MMP-1, MMP-13) und Tumornekrosefaktor (TNF)-alpha verantwortlich gemacht.
Bestimmte Erkrankungen und Medikamente können das Immunsystem beeinflussen, und nötige Abwehrreaktionen des Immunsystems unterbinden.

Knochenaktivität und Knochendurchblutung kann herabgesetzt werden. Das kann nicht nur eine Periimplantitis begünstigen, der Körper kann auch auf die Therapie nicht ansprechen. Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, die Einnahme von Bisphosphonaten und immunsuppressive Medikamente können einen solchen negativen Einfluss auf den Körper haben.

Risikofaktoren der Periimplantitis

  • Die Mundhygiene ist mangelhaft: durch nicht richtig zu reinigenden Zahnersatz oder der Patient ist zu nachlässig
  • Rauchen
  • Immunschwäche: bedingt durch bestimmte Medikamente; Erkrankungen; Bestrahlung
  • eigene Anatomie: schlecht durchbluteter und schmaler Knochen
  • Knochenaufbau-Maßnahmen: ein geschädigtes Zahnfleisch kann bedeckende und schützende Funktion u.U. nicht aufrecht erhalten: Bakterien können angreifen und sich ansiedeln
  • Implantatsystem: zweiteilige Implantatsysteme mit Leakage begünstigen das Ansiedlung und Eindringen von Bakterien 

Gründliche Untersuchung stellt die Diagnose: Periimplantitis

Die entzündliche Erkrankung ist in der Regel durch die Symptome gut erkennbar: das Areal ist geschwollen und gerötet, schmerzt bei Berührung, Sekret kann sich entleeren, das dunkelrote Zahnfleisch neigt zu bluten.

Die zahnärztliche Untersuchung wird schnell eine Diagnose stellen können.
Bei Rauchern können die offensichtlichen Symptome allerdings ausbleiben; hier muss behutsam sondiert werden, um sich über die Taschentiefe und eventuelle Blutungsneigung ein Bild der Lage verschaffen zu können.

Über das Ausmaß der Periimplantitis, ob und wie schwerwiegend ein Knochenabbau stattgefunden hat, kann ein Röntgenbild Aufschluss geben. Eventuelle Laboruntersuchungen können gegeben falls den Verdacht erhärten. Eine Bestimmung der entzündungsverursachenden Bakterien im Labor, kann eine gezielte Antibiotika-Therapie ermitteln.

Diese Option ist in der Regel erfolgsversprechend.
Neben der Diagnose kann eine gründliche Untersuchung auch Auskunft über Ursachen der Entzündung geben. Liegt der Entzündung eine mangelhafte Implantatpflege und vernachlässigte Mundhygiene zugrunde? Ist die Periimplantitis eine Reaktion auf einen Fremdkörper?

Auch eine Überlastung des Implantats oder Schraubenlockerung der Verbindungsschraube kann sich in einer Entzündung äußern.

Anzeichen einer Periimplantitis

  • Dunkelrotes Zahnfleisch, dunkle Verfärbung (gesundes Zahnfleisch ist blass-rosa)
  • Zahnfleisch ist geschwollen, liegt nicht fest an und blutet auf Berührung
  • Sondieren/Berühren schmerzt
  • Sondieren/Berühren führt zu Sekret und/oder Eiterentleerung
  • Tiefe der Zahnfleischtaschen (Sondierungstiefen) erhöht
  • Nach starkem Knochenabbau liegen Implantatwindungen frei (sichtbar)

Röntgen macht Ausmaß der Periimplantitis sichtbar

Periimplantitis im Roentgenbild

Während der Zahnarzt durch das behutsame Sondieren nur den Grad des Knochenabbaus vermuten kann, liefert ein Röntgenbild (Zahnfilm, eventuell Panorama-Schichtaufnahme) die nötigen Informationen. Wie stark hat sich der Knochen um ein Implantat abgebaut? Sind Nachbarzähne bzw. benachbarte Implantate betroffen?

Lohnt eine Periimplantitis-Therapie oder muss aufgrund des fortgeschrittenen Knochenabbaus das Implantat entfernt werden?
Für den weiteren Therapie-Verlauf sind Röntgenbilder als Referenz wichtig, um zu sehen, wie und ob sich die Strukturen weiter verändern. Zeigt sich trotz Therapie kein Erfolg, können die Aufnahmen der Entscheidungsfindung dienen, ob es sinnvoller ist, das Implantat zu entfernen.

Falls die nötigen Informationen durch z.B. Überlagerung oder atypische Entzündungspositionen nicht durch ein klassisches Röntgenbild gewonnen werden können, besteht die Möglichkeit eine genaue Darstellung durch ein 3D-Röntgen (DVT,CT) zu erhalten.

Da 3D-Aufnahmen allerdings mit hohen Kosten, einem hohen Aufwand und einer Strahlenbelastung des Patienten verbunden sind, ist das bei einfacher Diagnostik eher keine Option. 

Schäden am Zahnimplantat

Zahnimplantate werden als Zahnersatz für den dauerhaften Verbleib in der Mundhöhle gesetzt. Da sie dort hohen Kaukräften ausgesetzt sind, kann es insbesondere bei zweiteiligen Implantat-Systemen an den Konstruktions-Elementen auf Dauer zu Überlastungen kommen.

Die einzelnen Elemente können durch akute oder chronische Überlastung verschleissen: sogenannte Ermüdungs-Schäden sind dann möglich. Man unterscheidet zwischen Schäden am Implantat selbst und Schäden am aufgesetzten Zahnersatz.

Zu den mechanischen Schäden am Implantat zählt man:

  1. Lockerungen der Halteschraube (Schraubenlockerungen)

  2. Brüche der Halteschraube (Innenschraube)

  3. Implantatbrüche

Schäden am aufgesetzten Zahnersatz, wie z.B. abgeplatzte keramische Verblendungen bei Zahnkronen, sind nicht als Schäden am Implantat anzusehen. Aufgesetzter Zahnersatz kann ebensogut Schaden nehmen, wenn er rein zahngetragen ist.

1. Lockerungen der Halteschraube bei Zahnimplantaten

Titanimplantat mit Halteschraube

Bei der Schraubenlockerung am Implantat handelt es sich um eine prothetischen Komplikation von zweiteiligen, also zusammengesetzten Implantaten. Hierbei lockert sich die Schraube zwischen Implantat und Aufbau (Abutment), und ist keinesfalls mit einer Implantatlockerung durch einen Knochenabbau (Periimplantitis) gleichzusetzen.

Wie kann sich eine Verbindungsschraube lockern?

Die Halteschraube dient als sichere Verbindung zwischen Aufbau (Abutment) und dem Implantat. Individuelle Aufbauten für Kronen-Brücken-Konstruktionen, Stegversorgungen oder Teleskope können so fixiert werden. Durch die hohe mechanische Belastung, ist das Interface zwischen Halteschraube und Implantatkörper eine Schwachstelle, bei dauerhafter (Fehl-)Belastung bzw. Überlastung hat das Einfluss auf die Haltbarkeit der Konstruktion.
Kugelkopf-Anker und Locatoren brauchen keine zusätzlichen Halteschrauben, sie sind als einteilige Implantate aus einem Stück gefertigt.

Verschleiß-Faktoren für Verbindungsschrauben von zweiteiligen Implantaten:

Die Art des Zahnersatzes bestimmt Verschleiß

Die Belastung ist je nach Art der prothetischen Konstruktion unterschiedlich. Ist ein Implantat verblockt mit anderen Implantaten, so gleicht sich die Belastung aus; verblockte Konstruktionen stützen sich gegenseitig. Im Gegenschluss sind einzelne Implantate direkter Belastung durch Hebelkräfte ausgesetzt, ohne Diese verteilen zu können.
Einer besonderen Belastung sind überstehende Brückenelemente (z.B. Freiend-Brücken) ausgesetzt.

Ungünstige Belastung durch Hebelwirkung

Der Grad der Belastung von Implantat und Schraube folgt physikalischen Gesetzen: Je kräftiger der Zubiss, desto stärker die Belastung.
Die Belastung der Schneidezähne ist geringer als die, der Mahlzähne, da durch den Muskelzug der Kaumuskulatur eine größere Kraft entwickelt wird.

Auch die Aufbauhöhe des Zahnersatzes entscheidet über den Grad der Belastung: Je höher der Aufbau (je länger also der Hebelweg), desto mehr wird das Implantat belastet.

Die axiale Belastung verteilt sich gleichmäßiger, während schräge Krafteinwirkung z.B. durch Knirschen zu einer deutlich höheren Spitzenbelastung führt. Knirscher erreichen daher für ihre Implantat-Konstruktionen die höchsten Belastungswerte und zählen zu einer Risikogruppe in punkto Haltbarkeit von Implantaten.

Verbindungsschrauben sitzt nicht richtig

Zahnarzt  spricht mit Patientin

Eine lockere Halteschraube kann ebenfalls seinen Ursprung in einer nicht ordnungsgemäßen Einbringung in das Implantat-Gewinde haben. Für dauerhaften Halt muss das Eindrehen der Innenschraube mit einem exakten Drehmoment eingebracht werden. Ein Überschreiten des Drehmoments ist ebenfalls kritisch, da die Schraube dabei brechen kann.

Die Halteschraube ist gelockert: Was nun?

Die Behandlung einer gelockerten Verbindungsschraube hängt von der Art des aufgesetzten Zahnersatzes bzw. dessen Befestigung am Aufbau (Abutment) ab.

Behandlung bei primär verschraubte Konstruktionen

Handelt es sich bei den Abutments um rotationsgesicherte (indexierte) Aufbauten, so lässt sich das Problem mit der gelockerten Verbindungsschraube leicht behandeln.

  • Entfernung der Deckfüllung (falls vorhanden), Lösen der locker sitzenden Schraube
  • Entnahme und Reinigung der Schraube
  • Falls ein Wiedereinsetzen nicht möglich ist: Austausch der Schraube
  • Die Passung wird kontrolliert und die Schraube wird nach vorgeschriebenem Drehmoment festgezogen
  • Mit einer Deckfüllung wird die Schraubenöffnung verschlossen
  • Bei älteren, frei drehbaren Abutments benötigt man für die exakte Positionierung beim Wiedereinsetzen eine dazugehörige Einbringhilfe in Form eines Schlüssels (meist aus Kunststoff).
  • Ist der Originalschlüssel nicht mehr verfügbar, so kann das Dentallabor einen passenden Schlüssel anfertigen.

Behandlung bei zementierten Kronen auf Abutments

Die populäre Alternative zum Verschrauben des aufgesetzten Zahnersatzes, ist das Zementieren. Eine vorteilhafte Methode der Befestigung: vermeidet ästhetisch bedenkliche Zugangskanäle zu alternativen Schrauben, minimiert Spannungen bei aufgesetzten Konstruktionen und preiswertere Fertigung. Nachteilig: Wohlmöglich schwierige Entnahme der gelockerten Verbindungsschraube: Schraube verbindet Implantat und Abutment und wird mit dem  aufgesetzten Zahnersatz fest verklebt (zementiert)

  • Zunächst muss die Krone oder die Brücke behutsam von dem Abutment herunter geklopft werden, dazu nutzt der Zahnarzt pneumatische Hilfsmittel (Druckluft) oder spezielle Haken. Diese Methode kann funktionieren, doch besteht die Gefahr einer Schädigung des Implantat-Innengewindes.
  • Deutlich sicherer ist die Trepanations- Technik: bei dieser Methode wird auf das Abklopfen des zementierten Zahnersatzes verzichtet, stattdessen wird durch die Krone ein Loch zum Schraubenkanal gebohrt, von wo aus die gelockerte Schraube herausgedreht werden kann.
  • Dann folgt die gleiche Herangehensweise wie bei einer primär verschraubten Konstruktion (s. oben).
  • Das entstandene Loch in der Zahnkrone kann in der Regel durch eine Deckfüllung (aus Kunststoff oder Keramik) wieder versiegelt werden.
  • Sollte eine solche Deckfüllung funktionell und/oder ästhetisch nicht befriedigend sein, muss eine Neuanfertigung der Krone erfolgen.

Diese Kosten werden sicherlich nicht für Begeisterung beim Patienten sorgen, jedoch sollte die Vermeidung von Schäden am Implantat Priorität haben.

Nach einer Lockerung der Verbindungsschraube ist es ratsam, eine Ursachen-Analyse durchzuführen. Eine erneute Lockerung ist sonst vorprogrammiert. Auch empfehlen einige Implantathersteller den Austausch einer solchen Schraube.

Schraubenlockerungen vermeiden:

Bei einteiligen Implantaten kann sich keine Schraube lockern, doch sind sie durch die besondere Einheilung und unflexible Aufbaugestaltung oft keine Option. Daher ist für die Vermeidung einer Schraubenlockerung auf folgende Punkte ist zu achten:

  • Der aufgesetzte Zahnersatz muss optimal gestaltet werden (um keine Belastung durch zu große Hebelwirkung zu begünstigen).
  • Die vom Hersteller bestimmten Drehmoment-Richtlinien beim Eindrehen der Verbindungsschraube sind einzuhalten.
  • Spitzenbelastung vermeiden (Knirscherschiene für Knirscher).

Außerdem möglich:

  • Verkleben des Abutments nach Eindrehen der Verbindungsschraube.

Eine Lockerung vermeiden durch Verkleben des Abutments nach Eindrehen der Verbindungsschraube

Die Schraubenlockerung kann nach Verkleben des in Endposition im Schraubkanal eingedrehten Abutments mit Hilfe eines Spezialklebers nicht mehr erfolgen.
Dann wird praktisch aus einem zweiteiligen Implantat ein Einteiliges. Was den dauerhaft festen Sitz der Schraube angeht, ist diese Methode sehr effektiv, allerdings ist das Einkleben auch mit Nachteilen verbunden.

Vorteile der Abutment-Verklebung

  • Schraubenlockerung ausgeschlossen
  • Hohlräume werden geschlossen (Bakterien können sich nicht ansammeln)

Nachteile der Abutment-Verklebung

  • Abutment kann nicht mehr ausgewechselt/abgenommen werden
  • Fehler beim Einkleben sind möglich 

2. Bruch der Halteschraube bei Zahnimplantaten

gebrochene Halteschraube ImplantatDer Bruch der Implantat-Innenschraube hat mitunter die gleichen Ursachen wie eine Lockerung der Halteschraube und ist ebenfalls eine Komplikation von zweiteiligen Implantaten.

Nicht zu verwechseln ist der Bruch der Halteschraube mit dem Implantat-Bruch; während der Bruch des Implantats nur die Entfernung des Implantats zulässt, besteht beim Bruch der Verbindungsschraube die Chance, die Schraube zu entfernen und auszutauschen.

Einer gebrochenen Halteschraube geht meist eine Schraubenlockerung voraus (s. oben).

Mit der Wahl des richtigen Zahnersatzes ungünstige Belastung vermeiden

Einem Halteschrauben-Bruch geht meistens eine Lockerung der Halteschraube voraus, also liegen dem Bruch in der Regel auch die gleichen Ursachen zu Grunde.

Die Belastung für Implantat und Verbindungsschraube ergibt sich durch die Krafteinwirkung: Je kräftiger der Zubiss, desto stärker die Belastung. Die meiste Krafteinwirkung entsteht über die Mahlzähne, durch den Muskelzug der Kaumuskulatur ist die Belastung für Implantate dort viel höher als im Frontzahn-Bereich.

Vorsicht! Knirschen belastet Zahnimplantate besonders

Schräg einwirkende Kraft, zum Beispiel durch Knirschen, führen zu deutlich höheren Spitzenbelastungen.
Nachweislich erreichen Knirscher die höchsten Belastungswerte und sind daher als Risikogruppe für Lockerungen und Brüche bekannt.

  • Der aufgesetzte Zahnersatz ist von großer Bedeutung für den Belastungsgrad und somit die Haltbarkeit der Implantate: Bei hohen prothetischen Konstruktionen ist die Hebelkraft automatisch größer und die Belastung für Implantat und Verbindungsschraube höher.
  • Verblockte Brückenkonstruktionen stützen sich gegenseitig, daher sind sie einer starken Belastung eher „gewachsen“ als implantatgetragene Einzelkronen.
  • Überstehende Brückenelemente (z.B. Freiendbrücken) erhöhen die Belastung.

Bruch der Implantatschraube: Drehmoment-Werte müssen eingehalten werden

Für Implantatsysteme sind von den jeweiligen Herstellern Kraftwerte (Drehmomente) festgelegt, mit denen die Innenschraube festgezogen werden muss, um den stabilen und dauerhaften Halt der Schraube zu gewährleisten.

Wird der Wert unterschritten, kann sich die Schraube schneller lockern; wird der Wert überschritten, kann die Schraube sofort brechen.
Für die bessere Entfernung einer gebrochenen Schraube, haben viele Implantathersteller die Innenschrauben mit einer Sollbruchstelle konstruiert. Sollte es also zum Bruch kommen, ist die Stelle so gewählt, dass die Schraube leichter zu entfernen ist.

Verbindungsformen, Gewindestruktur und Material

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Verbindungsformen zwischen Implantat und Aufbau.

Patientin hat Zahnschmerzen

Grundsätzlich lassen sich die Formen in Innen- und Außenverbindungen unterteilen. Bei Innenverbindungen ragt das Abutment (mehr oder weniger tief) in das Implantat hinein. Bei Außenverbindungen liegt das Abutment flach auf bzw. umschließt obere Anteile des Implantatkörpers.

Auch gibt es unterschiedliche geometrische Formen der Verankerung (z.B. Konus, 6- oder 8-Eck, Sternkontur), je nach Form und Tiefe (Innenverbindung) ergibt sich ein unterschiedlicher Belastungsgrad für das Implantat.

Das Schraubenmaterial (in der Regel Titan oder Gold) und die Gewindegeometrie haben Einfluss auf die Sicherheit und Stabilität im Verbund von Implantat und Schraube, beispielsweise ist eine dünne Schraube nicht so stabil wie eine Dicke, doch ist in einem dünnen Implantat keinen Platz für eine dicke Innenschraube, Material und Ausarbeitung müssen also auf das Platzangebot abgestimmt sein.

Die Halteschraube ist gebrochen: Was ist zu tun?

Die Entfernung einer gebrochenen Halteschraube kann eine anspruchsvolle Aufgabe sein. Ist die Schraube locker, gestaltet sich die Entfernung in der Regel einfach. Für die Entfernung eines festsitzenden Schraubenfragments ist der Aufwand größer und der Erfolg auf ein unversehrtes Implantat unter Umständen nicht in Aussicht gestellt.

Wie behandelt man einen Schraubenbruch?

Bei einer gelockerten Schraube:

Ging dem Schraubenbruch eine Lockerung voraus, so ist es meist nicht schwierig, die Schraube zu entfernen. Ist das Implantat-Innengewinde intakt geblieben, kann die Schraube ersetzt werden: das Implantat ist in seiner Funktion schnell wiederhergestellt.

Entscheidend für den dauerhaften Erfolg ist eine Ursachen-Analyse, damit eine erneute Lockerung vermieden werden kann.

Bei einer festsitzenden Schraube:

Sitzt die gebrochene Halteschraube noch fest im Gewinde, entscheidet die Position der Bruchstelle und der tatsächliche feste Sitz über den Erfolg der Entfernung und Implantat-Wiederherstellung.

  • Für im Gewinde festsitzende, gebrochene Verbindungsschrauben bieten namenhafte Implantathersteller spezielles Werkzeug („Rescue-Kits“) an. Die speziellen schraubenfassenden Aufsätze können die Fragmente gegen den Uhrzeigersinn hinaus drehen.
  • Um Lockerung der Schraube zu begünstigen, wird die Verwendung von Ultraschall-Instrumenten empfohlen, da sich Fragmente unter Vibrationskraft besser lösen.
  • Bei einem Implantatsystem mit zwei Innengewinden kann nach nicht gelungener Entfernung des Fragments die Möglichkeit genutzt werden, eine kürzere und dickere Schraube darüber zu drehen und das Implantat so wiederherzustellen.
  • Bei der Option, die Verbindungsschrauben-Fragmente aus dem Implantat-Innengewinde heraus zu bohren, wird das Innengewinde des Implantats derart beschädigt, dass anschließend keine konfektionierte Verbindungsschraube mehr eingedreht werden kann.
  • Eine individuell angefertigte Aufbauverankerung muss dann eingeklebt werden, wobei ein langfristiger Erfolg der Konstruktion nicht gewährleistet ist.
    Das Implantat wird durch eine gebrochene Verbindungsschraube im schlimmsten Fall nutzlos und muss entfernt werden.

Bei einer dauerhaften Überlastung der Implantat-Konstruktion ist eine gebrochene Verbindungsschraube allerdings nicht die schlimmste Folge: auch das Implantat selbst kann brechen.

3. Implantatbrüche: das Zahnimplantat ist gebrochen

Zahnimplantat als AusrufungszeichenEin Implantatbruch stellt eine seltene, jedoch relevante Spätkomplikation dar: Durch den Bruch verliert das Implantat seine Funktionalität und muss entfernt werden.

Nicht zu verwechseln ist der Implantatbruch mit Frakturen an der Verbindungsschraube oder dem aufgesetzten Zahnersatz (s.oben).

Der Implantatbruch ist in der Regel eine Folge von einer dauerhaften Überlastung der Konstruktion. Das Material „ermüdet“, wird also mit der Zeit schwächer und bricht; man spricht von einem Ermüdungsbruch.

Die meisten eingesetzten Zahnimplantate sind aus dem Material Titan Grad 4, es handelt sich um ein hartes und sprödes Metall, das unter bestimmten Belastungen „ermüden“ kann. Beispielsweise sind Ermüdungsbrüche vor allem bei durchmesserreduzierten (also sehr dünnen), zweiteiligen Implantaten zu beobachten, um die herum ein Knochenabbau (durch eine Periimplantitis) stattgefunden hat und die durch einen ungünstig gewählten Zahnersatz einer hohen Belastung ausgesetzt sind.
Um durchmesserreduzierten Implantaten eine höhere Stabilität zu verleihen, wurde mit diversen Legierungen „herumexperimentiert“. Titanlegierungen wie z.B. TiAV erhöhen die Bruchfestigkeit, können jedoch Nachteile in punkto Biokompatibilität (Verträglichkeit) haben.

Überlastungen äußern sich jedoch selten in Implantatbrüchen; viel eher kommt es zu Lockerungen der Halteschraube bzw. Schraubenbrüchen.

Warum bricht ein Zahnimplantat?

Es gibt verschiedene Konstellationen, die eine Überlastung des Implantats und damit einen Bruch hervorrufen können. Auch kann ein Implantat aufgrund eines Produktionsfehlers oder eines Fehlers auf Seiten des Behandlers frakturieren.

Implantatbruch nach Überbelastung durch aufgesetzten Zahnersatz

Unter der ungünstigen Belastung des Zahnersatzes kann nicht nur die Verbindungsschraube locker werden und brechen (siehe oben), auch das Implantat selbst kann der Belastung auf Dauer nicht standhalten.

Während weitere Faktoren eine Fraktur begünstigen, führt die Überlastung durch den Zahnersatz als Hauptfaktor letztendlich zum Bruch.

Implantate im Seitenzahnbereich müssen mehr "aushalten"

Die Kraft beim Kauen und Zubeissen, also die Krafteinleitung wirkt nicht auf alle Zähne bzw. Implantate gleichermaßen stark ein. Die Mahlzähne (Seitenzahnbereich) müssen der meisten Last standhalten, während die Belastung im Frontzahnbereich (Schneidezähne) geringer ausfällt.

Die richtige und fein abgestimmte Wahl des Zahnersatzes ist maßgeblich für die Haltbarkeit von Implantaten verantwortlich. Die Aufbauhöhe des Zahnersatzes entscheidet über den Grad der Belastung: Je höher der Aufbau gewählt ist (je länger also der Hebelweg), desto stärker wird das Implantat belastet.

Die axiale Belastung verteilt sich gleichmäßiger, während schräge Krafteinwirkung z.B. durch Knirschen zu unplanbar hohen Spitzenbelastung führt. Knirscher stellen als Implantatträger eine Risikogruppe dar.

Verblockte Konstruktionen (Zahnbrücken) können die Belastung gleichmäßiger verteilen („absorbieren“), als Einzelkronen. Daher nahm man auch lange an, dass Stegversorgungen durch die primäre Verblockung die einzige Möglichkeit sind, den eingesetzten Implantaten genug Stabilität zu ermöglichen, um die Last des aufgesetzten Zahnersatz dauerhaft tragen zu können.

Nicht alle verblockten Konstruktionen verringern automatisch die einwirkende Kraft auf das Implantat. Überhängende Brücken oder Stege (z.B. Freiendbrücken) erhöhen die Belastung sogar.

Das Implantat sitzt nach Knochenabbau nicht mehr stabil: Bruchgefahr!

Das Implantat muss stabil im Knochen stehen, um Last aushalten zu können. Doch auch nach einer erfolgreichen Einheilung (Osseointegration) kann der stabile Sitz nochmal „ins Kippeln“ kommen: Baut sich der Knochen um das Implantat ab (durch eine Periimplantitis), ändert sich das Hebelverhältnis.

Besonders für Implantatsysteme, die eine Verstärkung im Halsbereich zu besseren Stabilität haben, wird es hier kritisch: die Last wirkt nicht auf den verstärkten oberen, sondern auf den unteren Teil. Die Bruchgefahr ist hier hoch.

Das Zahnimplantat bricht: Materialermüdung durch Korrosion

Das Implantat kann im Laufe der Jahre und Jahrzehnte in der Mundhöhle unter der chemischen Zusammensetzung des Speichels leiden.

Auch wenn es sich bei menschlichem Speichel nicht um eine überaus aggressive Flüssigkeit handelt, kann die Struktur des Implantats auf Dauer geschwächt werden. Unter Belastung ist ein Zahnimplantat mit geschwächter Struktur dann eher bruchgefährdet.

Konstruktion und Produktion von Implantaten lassen Schwachstellen zu

Panische Patientin im ZahnarztstuhlWährend es sicher Lebensbereiche gibt, in denen „ein Montags-Modell“ zu verkraften ist, zählen Medizinprodukte sicher nicht dazu.

Ein Produktionsfehler hat hier nicht unerhebliche Konsequenzen.

Ist bei einem Zahnimplantat die einwirkende Belastung höher als die Widerstandsfähigkeit, kann sich ein Konstruktionsfehler schnell bemerkbar machen: das Implantat bricht wohlmöglich nach kurzer Belastungsdauer.

Extrem schwierig nachzuweisen sind Schwachpunkte in der Oberflächenstruktur von Implantaten, die zur verbesserten Einheilung modifiziert wurden.

Eine mikroraue Oberfläche ermöglicht eine Osseointegration in kürzerer Zeit, die Einheilungsphase nach Implantation kann sich dann um einige Wochen verkürzen.

Um die Oberfläche zu modifizieren, wird Diese beispielsweise mit Säure bearbeitet. Dass dabei winzige Schäden entstehen, die zu Schwachpunkten werden können, wird erst bemerkt, wenn zu einem späteren Zeitpunkt eine auffällige Anzahl von Implantaten einer solchen Serie bricht.

Aus Fehlern lernen die Hersteller und versuchen stets, die Systeme zu verbessern und Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Das Implantat bricht während der Implantation: der Behandler hat einen Fehler gemacht

Ein Implantat kann nicht nur nach langer, ungünstiger Belastung einen Ermüdungsbruch erleiden, auch besteht die Möglichkeit, dass es bricht, weil der Behandler während der Einbringung einen Fehler gemacht hat.

Während der Implantataufbereitung des Kieferknochens wurde dann nicht ausreichend gebohrt und dennoch versucht, das Implantat einzudrehen. „Mit aller Macht“ ist genau die falsche Herangehensweise, denn der erhöhte Kraftaufwand lässt das Implantat frakturieren.

In der modernen Implantologie ist ein Implantatbruch beim Einbringen immer seltener, da Einbringpfosten/Einbringhilfen bei Überschreitung des vorgesehenen Drehmoments vorsorglich abbrechen, bevor das Implantat Schaden nehmen kann. Bei zweiteiligen Keramikimplantaten und dünnen einteiligen Implantaten ist jedoch weiterhin Vorsicht bei der Einbringung geboten.

Wie ist ein Implantatbruch zu behandeln?

Mit dem Bruch des Implantats endet seine Funktion: der Zahnersatz kann dann nicht mehr befestigt werden. Das Zahnimplantat ist nutzlos. Es folgt die Entfernung durch einen operativen Eingriff. Einer erneuten Implantation steht die Entfernung in der Regel nicht im Weg.

In Ausnahmefällen, kann über einen Verbleib des Fragments an Ort und Stelle diskutiert werden, wenn etwa eine Operation besonders schwierig ist und/oder an dieser Stelle nicht erneut implantiert wird.

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