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Wann muss ein Zahn gezogen werden?

zange goldzahnBevor man ein Zahnersatz-Konzept ausarbeitet, um vorhandene Zähne zu ersetzen, sollte sicher geklärt sein, ob ein Zahn überhaupt entfernt werden muss. Eine eindeutige Abgrenzung, wann ein Zahn gezogen- und wann er erhaltungswürdig ist, gibt es nicht.

Ein Zahnersatz ohne "Wackelkandidaten", also Zähne mit schlechter Prognose, kann besser geplant werden. Jedoch ist eine Extraktion nicht immer die beste Lösung.

In manchen Situation ist ein Zahn einfach nicht zu retten.

In anderen Fällen sind die Therapiekosten zu hoch. Allgemeinmedizinische Gründe können eine zeitnahe Zahnentfernung notwendig machen.

Auch können anhaltende Zahnschmerzen dem Patienten keine andere Wahl lassen, als den Plagegeist entfernen zu lassen.

Verschiedene Faktoren können den Erhalt eines Zahns infrage stellen:

vier kronen extraktion

  1. Parodontitis (Parodontose)
  2. Karies
  3. Probleme mit Zahnwurzeln
  4. Akute chronische Zahnschmerzen
  5. Allgemeinmedizinische Gründe
  6. Prothetische Gründe
  7. Zahnfehlstellung
  8. Zeit- und Geldmangel
  9. Summe aller Probleme (multikausal)

Welchen Einfluss die verschiedenen Faktoren auf den Zahn und eine anschließende Versorgung durch Zahnimplantate hat, haben wir für Sie zusammengefasst.

1. Zähne ziehen bei Parodontitis (Parodontose)

Gebiss mit ParodontitisDie Hauptursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter ist die Parodontitis: eine bakteriell-entzündliche Zahnbett-Erkrankung, die aufgrund der ausbleibenden Beschwerden meist lange unerkannt bleibt. Die Abwehrreaktion des Körpers auf die angehefteten Bakterien an der Zahnwurzel, sorgen für eine Entzündung des Zahnhalte-Apparats. Diese Entzündung sorgt dann für einen Knochenabbau um den Zahn, wodurch sich der Zahn lockert. In der Regel ist das gesamte Gebiss betroffen; die Entscheidung, ob ein Zahn entfernt werden muss, oder durch eine Parodontose-Behandlung erhalten werden kann, hängt von bestimmten Faktoren ab:

Wie weit ist der Knochenabbau fortgeschritten?

Je länger die Parodontose unerkannt- und damit unbehandelt bleibt, desto weiter kann der schleichende Knochenabbau voranschreiten. Bei einem Knochenbett-Verlust von mehr als 50% ist die Aussicht auf Zahnerhalt nicht gut, ab 70% ist nicht mehr mit dem Erfolg einer Parodontitis-Therapie rechnen. Einen genauen Messwert ab wann ein Zahn gezogen werden muss und keinesfalls erhaltungswürdig ist, gibt es jedoch nicht.

Fortgeschrittene Parodontitis: entzündungsbedingte Beschwerden

Der Verlauf der Parodontose ist in der Regel schleichend, also ohne stärkere Beschwerden. Es kann in akuten Entzündungsphasen allerdings zu Eiterungen kommen, die mit erheblichen Schmerzen einhergehen. Häufig werden in dieser Phase Zähne gezogen. Auch sind starke Lockerungen der Zähne (bedingt durch Knochenabbau) für Schmerzen und die damit verbundene Entfernung verantwortlich.

Wenn Parodontitis nicht das einzige Problem ist

Neben einer Parodontose-Erkrankung können weitere Begleitumstände die Prognose der Zähne zusätzlich verschlechtern (Kummulationseffekt). Beispielsweise ist der Aufwand zur Erhaltung von Zähnen mit Parodontitis und tiefer Karies groß und die Aussicht auf Erfolg nicht garantiert. Ebenso problematisch ist eine Wurzelentzündung, in Verbindung mit Parodontitis kann es zu einer Paro-Endo-Läsion kommen. Eine Zahnextraktion liegt nahe.

Patient während einer ParodontalbehandlungDie Parodontitis-Therapie ist nicht immer ein Erfolg

Jeder Patient reagiert biologisch bedingt anders auf eine Behandlung. Ein Parodontitis-Patient kann daher schnell auf eine eingeleitete Therapie ansprechen und die Erkrankung klingt ab. Allerdings kann auf der anderen Seite auch trotz aller möglichen Therapie-Maßnahmen die Parodontose weiter fortschreiten, und dem „austherapierten“ Patienten bleibt nur die Zahnentfernung als Option, den Knochenabbau zu stoppen. In solchen Fällen muss rechtzeitig reagiert werden, um ein gewisses Knochenlager erhalten zu können, andernfalls ist eine Implantat-Behandlung nur schwer umzusetzen (aufwendige Knochenaufbau-Maßnahmen).

Auch sind Unterschiede bei der Behandlung einzelner Zähne möglich: die Therapie von mehrwurzeligen Zähnen ist wesentlich schwieriger, da die Schlupfwinkel der Wurzeln als „Versteck“ für Bakterien dienen und nicht bekämpft werden können. Zusätzliche Schwierigkeiten der Bakterienbekämpfung ergeben sich, wenn der Knochen zwischen den Wurzeln ebenfalls befallen ist (Furkationsbefall).

Zahnersatz nach Parodontitis muss strategisch geplant werden

Ist eine Parodontose-Erkrankung erfolgreich therapiert, kann ein Zahn trotz Knochenabbau für sich alleine durchaus gut funktionieren. Plant man allerdings einen festen Zahnersatz (Brücke), bei dem ein solcher Zahn als Pfeiler eingesetzt werden soll, ist der frühzeitige Verlust durch Überlastung vorprogrammiert. Ein herausnehmbarer Zahnersatz, der an parodontitis-geschädigten Pfeilern verankert wird, kann funktionieren. Eine bessere Option stellt hier allerdings die Versorgung durch Zahnimplantate dar, da Pfeiler dazu gewonnen werden und die eigenen (ohnehin geschwächten) Zähne entlastet werden.

Versorgung mit Zahnimplantaten nach Parodontose

Bei einer Parodontitis-Erkrankung liegen in der Regel keine tiefen Knochenentzündungen vor, durch den abgebauten Knochen ist die Implantat-Einbringung allerdings erschwert. Ein Knochenaufbau nach langjähriger, unbehandelter Parodontose ist manchmal nicht zu vermeiden. Wann der beste Zeitpunkt für eine Implantation ist, muss individuell abgewägt werden.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Implantation?

Der richtige Zeitpunkt für eine Implantation nach einer austherapierten Parodontitis ist nicht pauschal zu nennen. Ob man direkt nach Zahnverlust, oder erst einige Zeit später das Implantat bzw. die Implantate setzt, muss individuell entschieden werden.

Möglich ist:

  • Parodontitis ist im Roentgenbild deutlich zu erkennen

    eine Sofortimplantation, also eine Implantation unmittelbar nach Zahnentfernung. Bei akuten und ausgeprägten Entzündungen nur unter Antibiotika-Gabe durchzuführen, erhöhtes Risiko des Implantat-Verlustes bleibt. Bei entzündungsfreiem Befund eine gute Option!
  • eine verzögerte Sofortimplantation, also einige Tage oder wenige Wochen nach Zahnentfernung, jedoch vor Abheilung des Weichgewebes. Der Vorteil ist das Abklingen von primären Entzündungssituationen und ein dennoch schneller Versorgungszeitraum.
  • eine Spätimplantation, also eine Implantation nach der knöchernen Ausheilung des Zahnfachs, ist der sicherste Weg, da das Risiko einer Restentzündung sehr gering, und die exakte Planung des Eingriffs möglich ist. Die verlängerte Behandlungszeit und der weiter voranschreitende Knochenverlust müssen in Kauf genommen werden. Ein Knochenaufbau durchzuführen, ist zu einem späteren Zeitpunkt wesentlich leichter und empfehlenswert, da die Zahnfleischdecke sich dann geschlossen hat.

2. Karies: Zerstörung der Zahn-Hartsubstanz

Nahaufnahme Frontzähne mit Karies und PlaqueEin kleines Loch im Zahn stellt nicht den Zahnerhalt infrage- das ist klar. Durch eine Füllungs-Therapie kann es so gut wie vollständig behoben werden. Bei kariösen Defekten, also größeren Löchern ist die Reparatur mit etwas mehr Aufwand verbunden: durch Teilkronen/Kronen oder Inlays kann der Zahn in Form und Funktion wieder hergestellt werden.

Ist die Zahnkrone (der sichtbare Teil des Zahns) allerdings derart durch Karies zerstört, können auch Aufbaumaßnahmen durch eine Stiftkrone (Wurzelstift/Füllung) ohne Erfolg bleiben. Spätestens wenn die Zahnfäule weiter in die Tiefe vorgedrungen ist und die Zahnwurzel auflöst, muss der Zahn entfernt werden. Das gilt auch für mehrwurzelige Zähne, ist der Zahnboden zum Kieferknochen durchdrungen, kann der Zahn in der Regel nicht mehr „gerettet“ werden.

Die Entfernung kariös zerstörter Zähne

Ist der Schaden durch Karies an einem Zahn so groß, dass er als nicht erhaltungs-würdig eingestuft wird, erfolgt die Extraktion. Einfach wird die Entfernung nur, wenn der Wurzelhalt des Zahns nicht mehr ausgeprägt ist (z.B. bei Parodontitis) und die Zahnkrone genug Auflagefläche für den festen Halt einer Zange bietet.
Funktioniert diese Methode nicht, können Luxatoren oder Hebel benutzt werden, um das Zahnfach (Alveole) aufzuweiten und den Zahn knochenschonend aus dem Kiefer zu entfernen. Den Kieferknochen dabei zu schonen, ist besonders bei einer geplanten Implantat-Einbringung von Bedeutung.
Funktioniert auch diese Methode nicht, bleibt nur die Entfernung der Zahnwurzel durch eine Osteotomie als Option übrig. Hierzu muss das Zahnfleisch eröffnet werden und der Knochen so weit abgetragen werden, bis eine der oben genannten Methoden erfolgreich angewendet werden können.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Implantation?

Nach Entfernung kariös zerstörter Zähne liegt im Kieferknochen in der Regel keine relevante Entzündung vor, die einer Implantation im Weg stehen könnte. Auch ist das Knochenangebot meist noch sehr gut. Es sei denn, die Zahn-Extraktion war ein schwieriges Unterfangen bei dem ein Knochen-Verlust hingenommen werden musste (z.B. durch Osteotomie).

Möglich ist:

  • die Sofortimplantation, bei einwurzeligen Zähnen durchaus zu empfehlen;
  • die verzögerte Sofortimplantation als mögliche - und die
  • Spätimplantation als sicherste Methode; ein möglicher Knochenabbau und die verlängerte Behandlungszeit müssen in Kauf genommen werden.

3. Probleme mit Zahnwurzeln

Was die Zahnwurzel betrifft, können zwei Befunde eine Zahnentfernung notwendig machen:

a) eine Wurzelentzündungen toter Zähne und

b) Wurzelfrakturen (ein Bruch der Zahnwurzel

Angstpatient

a) Wurzelentzündungen toter Zähne

Bevor ein Zahn aufgrund endodontischer Ursachen (Entzündung der Zahnwurzel) entfernt werden muss, gibt es viele Erhaltungs-Möglichkeiten, die zunächst angewendet werden können.

In den meisten Fällen ist der Zahnerhalt mit genügend Aufwand möglich.

Eine Antibiotika-Therapie ist nur in Ausnahmefällen, und nicht zuverlässig in der Lage, die Entzündung ausheilen zu lassen.

Die Möglichkeiten, die Entzündung zu eliminieren sind:

  • die primäre Wurzelbehandlung,
  • (falls nötig) die Revision (Wiederholung) einer Wurzelbehandlung,
  • und die Wurzelspitzen-Resektion. 

Heilt eine Wurzelentzündung trotz durchgeführter primärer Wurzelbehandlung nicht aus, weist die Revision als nächster Schritt in der Regel eine gute Erfolgs-Aussicht auf, die Entzündung „in den Griff“ zu bekommen. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen jedoch für die Kosten einer Revision nicht auf; daher wird als Maßnahme nach der primären Wurzelbehandlung auch direkt eine Wurzelspitzen-Resektion (WSR) durchgeführt. Die Revision ist allerdings nach einer WSR nicht mehr möglich.

Folgende Befunde in Zusammenhang mit wurzeltoten Zähnen sprechen gegen den Zahnerhalt:

  • Entzündungen von Zahnwurzeln, dessen Kanäle nicht aufbereitet werden können, z.B. Kanal/Zugang durch Stiftzahn oder festsitzende ältere Wurzelfüllung versperrt, Wurzelbehandlung ist dann nicht möglich.
  • Wurzelentzündung ist trotz Wurzelbehandlung und Wurzelspitzen-Resektion (WSR) nicht abgeklungen: eine erneute WSR ist dann nicht erfolgversprechend.
  • Bei sehr großen Entzündungen ist ein Ausheilen trotz aufwendiger und zeitintensiver Therapie nicht sicher.
  • Herdsanierung: die Entzündung soll/muss aus allgemeinmedizinischen Gründen zeitnah entfernt werden, ein "herumexperimentieren" ist dann nicht möglich.
  • Zusätzliche negative Faktoren (Kummulationseffekt), z.B. schwere Parodontitis: dann ist kaum Aussicht auf Erfolg.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Implantation?

Grundsätzlich sind Implantate als Versorgung von Lücken nach Extraktion wurzelgeschädigter Zähne möglich, allerdings muss die Entzündung vor Einbringung eines Implantats ausgeheilt sein. Das Risiko, dass die Implantat-Einheilung sonst von den verbliebenen Bakterien verhindert wird, ist groß.

Möglich ist:

  • die Sofortimplantation ist bei bestehender Entzündung nicht zu empfehlen, der Implantat-Verlust ist wahrscheinlich.
  • die verzögerte Sofortimplantation ist möglich, jedoch auch mit dem Risiko eines frühzeitigen Implantat-Verlustes verbunden, da eine Abkapslung von Bakterien innerhalb des Kieferknochens (Restostitis) möglich ist. Implantiert man im Bereich einer Restostitis, kann die bislang subakute Bakterienansammlung zu einer frühen Periimplantitis führen- Implantat-Verlust vorprogrammiert;
  • die Spätimplantation ist der sicherste Weg, das Entzündungsrisiko auszuschließen und daher unbedingt zu empfehlen, möglicher Knochenabbau und eine verlängerte Behandlungsdauer müssen akzeptiert werden.

b) Wurzelfraktur: Bruch der Zahnwurzel nach Unfall (Frontzahntrauma)

Besonders häufig kommt es bei Frontzähnen nach plötzlicher Krafteinwirkung (durch einen Unfall oder Schlag) zum Zahnbruch. Nicht jede Fraktur stellt dabei den Zahnerhalt infrage- eine ausgeschlagene Zahnecke ist beispielsweise kein Grund zur Beunruhigung, allerdings kann ein Schlag auf einen Frontzahn auch zu einer Bruchlinie bis in die Wurzelspitze führen. Solch eine Wurzelfraktur macht das Ziehen eines Zahnes dann unumgänglich.

Frakturen am Zahn beschränken sich nicht nur auf die Frontzahn-Region, besonders im Oberkiefer kommt es bei den Seitenzähnen durch plötzliche oder dauerhafte Überlastung zu Brüchen. Auslöser dafür kann der Biss auf einen harten Körper sein, die Zahnstruktur ist dabei meistens bereits geschwächt (z.B. durch große Füllungen).

Der Verlauf der Bruchlinie entscheidet über Erhalt oder Extraktion des frakturierten Zahns:

  • Bruch der Zahnkrone, oberhalb oder knapp unterhalb der Knochengrenze:
    Durch eine Wurzelkanal-Behandlung (Endodontie) und einen Stiftaufbau ist die Wahrscheinlichkeit hoch, den Zahn erhalten zu können.
  • Längsfraktur der Zahnwurzel:
    In diesem Fall gibt es für den Zahn keine Rettungsmöglichkeit, er muss gezogen werden.
  • Längsfraktur zwischen den Wurzeln bei mehrwurzeligen Zähnen:
    Der Erhalt des Zahnes ist in diesem Fall nur in Ausnahmefällen möglich.
  • Querfraktur im Knochen:
    Bei einer Querfraktur im Kieferknochen ist der Zahn nur in Ausnahmefällen zu erhalten.

Implantat-Versorgung nach unfallbedingtem Zahnverlust

Die Lücken-Versorgung mit Implantaten nach unfallbedingtem Zahnverlust gilt als Goldstandard. Wenn der Kieferknochen keinen Schaden genommen hat, ist:

  • die Sofortimplantation die beste Versorgungsmöglichkeit, Zahnverlust durch Trauma gilt als die typische Indikation für eine Sofortimplantation;
  • die verzögerte Sofortimplantation eine gute Option, von manchen Behandlern sogar als bessere Option empfunden;
  • die Spätimplantation ein sicherer Weg, wahrscheinlich jedoch mit mehr Nach- als Vorteilen (z.B. Umstrukturierung und Abbau des Knochens).

Haben Knochen und Zahnfach Schaden genommen?

Oft bringt die Gewalteinwirkung auf Zähne und Kiefer auch die Lockerung der betroffenen Zähne mit sich. Eine Fraktur des Knochens ist nicht selten. Ein Bruch im Knochen kann wiederum zum Teil- oder vollständig den Zahn aus dem Zahnfach herauslösen (Teil- oder vollständige Luxation), das Ergebnis: der bekannte „ausgeschlagene Zahn“.

Das Ausmaß der Verletzung des umgebenden Gewebes bestimmt den weiteren Verlauf

Ein Zahnerhalt durch Replantation (Wiedereinpflanzen) mit Schienung ist möglich. Vorausgesetzt das Knochenfach ist nicht zu stark geschädigt und die Wurzelhaut ist intakt (der Zahn darf nicht austrocknen: die Lagerung in der Mundhöhle oder in einer Zahn-Rettungsbox ist notwendig). In vielen Fällen ist mit derart günstigen Verhältnissen nicht zu rechnen und ein dauerhafter Zahnerhalt unwahrscheinlich. Ein schnelles therapeutisches Alternativkonzept sollte überlegt werden (beispielsweise ein Sofortimplantat).

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Implantation?

Die Lücken-Versorgung mit Implantaten nach unfallbedingtem Zahnverlust gilt als Goldstandard. Auch wenn der Kieferknochen Schaden genommen hat, gelten Implantate als Idealversorgung. Der Implantations-Zeitpunkt ist individuell je nach Grad des Traumas zu wählen.

Möglich ist:

  • die Sofortimplantation ist je nach Zustand des Knochenlagers die beste Option, je intakter- desto besser;
  • die verzögerte Sofortimplantation ist bei weitesgehend intaktem Knochenfach ebenfalls eine gute Option;
  • die Spätimplantation ist die einzige Option bei erheblichen Schäden an Knochen und Zahnfach.

4. Akute und chronische Zahnschmerzen

Paientin im Zahnarztstuhl hat ZahnschmerzenJeder, der schonmal eine schlaflose Nacht aufgrund quälender Zahnschmerzen gehabt hat, weiß, wie unangenehm diese Schmerzen sein können und wie wenig Schmerzmittel dann helfen. Zahnschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben und sind in der Regel kein Grund für eine Zahnentfernung, da die Ursachen zahnmedizinisch behandelbar sind. Am häufigsten ist die Ursache für akute Zahnschmerzen ein „Loch im Zahn“- die Karies.

Wenn eine langwierige Therapie nötig ist: Zahn ziehen?

Liegt jedoch ein anderes Problem vor, das eine zeitintensivere Behandlung als eine Füllungs-Therapie erfordert (Parodontitis, Pulpitits, Wurzelentzündung), sinkt die Bereitschaft, diese über einen längeren Zeitraum „durchzustehen“, den Problem-Zahn aus Schmerzgründen zu entfernen ist die bevorzugte, schnelle Lösung.

Akute Zahnschmerzen verursacht durch eine Zahnnerv-Entzündung (Pulpitis)

Eine Reizung des Zahnnerven (Pulpa) kann für leichte Beschwerden verantwortlich sein. Äußern kann sich eine Pulpa-Reizung insbesondere durch eine mit Schmerzen verbundene Überempfindlichkeit auf süß und kalt.
Entzündet sich dieser Nerv irreversibel, spricht man von einer Pulpitis. Sie verursacht schwerste Schmerzen, da der Zahnnerv durch die Entzündung anschwillt, sich im harten Zahn aber keinen Platz verschaffen kann. Schmerzmittel oder ein Antibiotikum helfen in der Regel nicht und die einzige Möglichkeit den Schmerz zu stoppen und den Zahn zu erhalten ist dann eine Wurzelbehandlung (Nerv-Entfernung und Behandlung des Wurzelkanals).

Entzündung der Zahnwurzel bereitet Schmerzen

Eine Entzündung der Wurzelspitze kann auch bei bereits abgestorbenen Zähnen auftreten und für starke Schmerzen beim Zubeißen/bei Druck sorgen.
Eine fortgeschrittene Entzündung kann sogar zu einer Vereiterung des Kiefers (z.B. submuköser Abszeß) führen. Die akute Phase der Entzündung kann vorübergehend mit einem Antibiotikum therapiert werden, jedoch für den dauerhaften Zahnerhalt muss eine Wurzelbehandlung erfolgen.

Weitere Ursachen für akute Zahnschmerzen

Die unauffällige (schleichende) Parodontose-Erkrankung verursacht meist nur in sehr akuten Entzündungsphasen durch Vereiterungen (Parodontal-Abszeß) Schmerzen. Auch können starke Zahnlockerungen für Beschwerden sorgen; die Entfernung der betroffenen Zähne liegt dann nahe (s.o.).
Weitere Ursachen für Zahnschmerzen, z.B. bei Zahnfrakturen oder Überlastung, lassen sich letztendlich auf eine Reizung des Zahnnerven (Pulpa) oder eine Pulpitits zurückführen.

Chronische Zahnschmerzen können eine Zahnextraktion nötig machen

Dauerhafte oder wiederkehrende Zahnschmerzen können durch eine Reizung des Zahnnerven (Pulpa) hervorgerufen werden und Vorstufe einer Pulpitis sein. Begleiterscheinung sind oft Überempfindlichkeit gegenüber Kälte oder Aufbiß-Empfindlichkeit.
Ursache der Pulpa-Reizung kann Karies, Beschleifen der Zähne zur Überkronung, vorausgegangene Füllungstherapien oder eine chronische Überlastung eines Zahns sein.

Die Nerv-Reizung kann abklingen- erfahrungsgemäß geht sie aber in eine mehr oder weniger intensive Pulpitits über und kann durch eine endodontische Therapie (Wurzelbehandlung) erfolgreich behandelt werden.
Auch kann die schlummernde Entzündung eines abgestorbenen Zahns der Grund für chronische Zahnschmerzen sein (s.o. Wurzelentzündung toter Zähne).

Zahnschmerzen durch nicht-dentale Ursachen

Nicht immer ist die Ursache für Zahnschmerzen im Mund zu finden. Bei einem grippalen Infekt („Kopf-Grippe“) sind Zahnschmerzen nichts untypisches; Infekte der Kieferhöhle und eine Sinusitis verursachen durch die enge Lagebeziehung von Zahnwurzeln und Kieferhöhlenboden insbesondere in den Oberkiefer-Seitenzähnen starke Schmerzen.
Auch Episoden von Herpes-simplex oder Herpes Zoster (Gürtelrose) können Schmerzen im Zahn- und Kiefer-Gesichtsbereich verursachen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Implantation?

Grundsätzlich ist eine Implantat-Versorgung nach schmerzbedingter Extraktion von Zähnen möglich, jedoch sollte die Schmerzursache vor Implantation sicher geklärt und austherapiert sein.

Möglich ist:

  • die Sofortimplantation ist bei ungeklärter/chronischer Schmerzsituation nicht zu empfehlen, Entzündungen können auf das Implantat übergehen- erhöhtes Risiko: Implantat-Einheilung nicht erfolgreich o. frühe Periimplantitis und Implantat-Verlust;
  • die verzögerte Sofortimplantation ist möglich;
  • die Spätimplantation ist der sicherste Weg, Erkrankungen auszuschließen, eine erfolgreiche Einheilung und dauerhafte Implantatgesundheit zu erzielen.

5. Die Herdsanierung: allgemeinmedizinische Gründe erfordern eine Zahnentfernung

Verschiedene MedikamenteGrundsätzlich stellt das potentielle bakterielle Streuvermögen eines Entzündungsherdes ein Risiko für den gesamten Organismus dar. Bei bestimmten Grunderkrankungen kann dieses Risiko sogar unkalkulierbar hoch werden.

Die vorsorgliche Entfernung eines Zahnherdes wird unter anderem in Zusammenhang mit einigen Herzerkrankungen, rheumatischen Krankheitsformen und vor Herzoperationen, Bestrahlungen, Transplantationen, Chemotherapien uvm. aus ärztlicher Sicht dringend empfohlen.
Dadurch werden Zähne entfernt die eine durchaus gute Prognose bei richtiger Therapie aufweisen, z.B. Zähne mit einer Wurzelentzündung.

Bei einer geringen bis mittelschweren Parodontitis, werden Zähne in der Regel nicht entfernt, da diese oberflächliche Entzündung ohne vorhandene Schlupfwinkel für Bakterien nicht als Entzündungsherd eingestuft wird.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Implantation?

Bei Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen sind Implantate möglich, jedoch sollte man Risiko und Nutzen ganz klar abwägen. Eine Implantation ist ein chirurgischer Eingriff und nicht ohne Risiko; einem geschwächten Krebspatienten beispielsweise ist eine derartige zusätzliche Belastungen besser zu ersparen und die Wahl eines alternativen Zahnersatzes zu empfehlen.

Möglich ist:

  • die Sofortimplantation. Bei Risikopatienten ist sie nicht zu empfehlen (z.B. geschwächtes Immunsystem, weitere Entzündungsherde im Körper usw., hohes Risiko des frühzeitigen Implantat-Verlustes und zusätzlich belastender Eingriff)
  • die verzögerte Sofortimplantation. Eine durchaus mögliche Option.
  • die Spätimplantation. Sie ist der sicherste Weg, Entzündungen auszuschließen und den allgemeinmedizinischen Zustand des Patienten einschätzen zu können.

6. Zahnentfernung aus prothetischen Gründen: Zahnersatz nur mit stabilen Pfeilern planen

Planung, insbesondere wenn es sich um festsitzenden und nicht mehr veränderbaren Zahnersatz handelt, sollten nur stabile Pfeiler-Zähne mit einbezogen werden. Man überprüft die vorhandenen Zähne auf ihre sogenannte Wertigkeit, um einschätzen zu können, welcher Zahnersatz möglich ist. Eine gute Wertigkeit haben Zähne, ohne Parodontitis oder Karies die mit guter Wurzellänge stabil im Knochen stehen. Da wohlmöglich nicht jeder verbleibende Zahn diese Wertigkeit aufweisen kann, müssen eventuell weitere Zähne für den geplanten Zahnersatz entfernt werden, um den langfristigen Erfolg nicht zu gefährden.

Auch gibt es neben der schlechten Wertigkeit noch andere Gründe, Zähne zu entfernen, um eine bessere Prognose für den geplanten Zahnersatz zu erzielen:

  • ein gekippter oder gewanderter Zahn,
  • ein zu lang herausgewachsener Zahn (Zahnelongation),
  • und ein (teil)retinierter Zahn,

können die Funktion von Zahnersatz einschränken/behindern. Eine Versorgung mit Zahnersatz ist sogar z.T. überhaupt nicht möglich.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Implantation?

Zunächst einmal werden die Zähne gezielt entfernt, um den geplanten Zahnersatz umzusetzen. Das bezieht Zahnimplantate als Versorgungslösung nicht mit ein.
Neben den individuell zu klärenden Faktoren, z.B. der allgemeine Gesundheitszustand (eventuelle Erkrankungen die gegen eine Implantatversorgung sprechen), bieten Zahnimplantate die Möglichkeit, eigene Zähne mit schlechter Wertigkeit zu erhalten (Zähne müssen nicht entfernt werden). Das bedeutet, Implantate schließen vorhandene Lücken, ohne die verbleibenden Zähne zu belasten. Bei der Wahl einer Zahnbrücke müssen die eigenen Zähne beispielsweise beschliffen werden um Kronen tragen zu können (Kronen-Präparation). Durch die Dauerlast einer Brücke, können die beschliffenen Zähne außerdem Schaden nehmen (Zahnlockerung, frühzeitiger Zahnverlust).
Ob dann eine Sofortimplantation, eine verzögerte Sofortimplantation oder eine Spätimplantation als Konzept die beste Lösung ist, muss individuell geklärt werden.

7. Zahnfehlstand: Entfernung funktionell oder ästhetisch störender Zähne

Nicht immer stehen alle Zähne im Gebiss optimal, der Fehlstand kann ästhetisch störend, aber auch funktionell belastend sein. Das Kiefergelenk oder Nachbarzähne können Schaden nehmen. Während Zahnfehlstellungen in der Regel durch eine kieferorthopädische Behandlung im Kindes- bzw. Jugendalter korrigiert werden, besteht auch im Erwachsenenalter diese Möglichkeit. Bei besonders schwerwiegenden Fällen oder wenn eine KFO-Behandlung nicht durchgeführt werden kann, ist über eine Zahnentfernung abzuwägen. Ob ein entfernter Zahn anschließend ersetzt werden muss, gilt auch individuell zu entscheiden.

Nicht jeder entfernte Zahn muss ersetzt werden

Ein typischer Grund, Zähne zu ziehen, ohne sie anschließend zu ersetzen, sind die verlagerten Weisheitszähne. Durch Platzmangel gefährden sie oft nur den Zahnstand der übrigen Zähne. Auch müssen die aufgrund von Platzmangel während einer KFO-Behandlung entfernten Zähne im Anschluss grundsätzlich nicht ersetzt werden.

8. Zahnentfernung aus Zeit- und/oder Kostengründen

Ist der Zahnerhalt eines geschädigten Zahnes aus medizinischer Sicht möglich, die Kosten für die Behandlung will jedoch weder der Patient noch die Krankenkasse übernehmen (z.B. bei Kassenrichtlinien einer Wurzelkanal-Behandlung), muss auf den Zahnerhalt verzichtet werden.

Zahnerhalt kann unwirtschaftlich sein

In vielen Fällen rechtfertigt der Aufwand nicht den Nutzen. Beispielsweise macht der Erhalt eines teilzerstörten Weisheitszahnes ohne Funktion, durch kostenintensive Überkronung wenig Sinn.

Zahnerhalt aus Zeitmangel nicht möglich

Eine Therapie kann manchmal zeitintensiv sein. Je größer und ausgeprägter eine Entzündung an einem Zahn ist, desto länger wird die Behandlung dauern. Doch auch eine zeitintensive Behandlung kann ausgeprägte Entzündungsprozesse nicht immer zum ausheilen bringen. Ein schneller Versorgungswunsch kann dem Zahnerhalt ebenfalls entgegen stehen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Implantation?

Werden Zähne aus Kostengründen entfernt, steht eine Implantatversorgung wohl kaum zur Debatte. Nach Zahnextraktion aus Zeitmangel, sind Erkrankung und die genauen Umstände die bestimmenden Faktoren, ob eine Implantation möglich ist und welches Konzept (Sofortimplantation, verzögerte Sofortimplantation oder Spätimplantation) am sinnvollsten ist.

9. Multikausal: viele Gründe sprechen gegen den Zahnerhalt

Patientin hat starke ZahnschmerzenWährend jede einzelne Erkrankung kein medizinisches Problem darstellt und gut zu therapieren ist (z.B. Karies, Wurzelentzündung), wird es beim Zusammenspiel verschiedener Krankheiten problematisch für den Zahnerhalt.
Bei einem wackeligen Zahn mit mittelschwerer Parodontitis, der eine Brücke trägt und am Kronenrand eine Karies entwickelt hat. Möglich ist bei diesem Zahn eine Wurzelfüllung die eine Wurzelspitzen-Entzündung zeigt (endodontisches Problem).

Zahnerhalt ist nicht immer sinnvoll

Die Summe der Erkrankungen spricht letztendlich gegen den Zahnerhalt, denn Zeit und Kosten in einen ohnehin bereits wackeligen Zahn zu investieren, ohne Aussicht auf Erfolg garantiert zu bekommen, ist wenig sinnvoll.
Der Verzicht auf Zahnerhalt kann in manchen Situationen eine bessere Prognose des Zahnersatzes und eine höhere Wirtschaftlichkeit bedeuten.

Lückenversorgung durch Zahnimplantate nach Extraktion mehrfach geschädigter Zähne

Die Ausprägung der verschiedenen Krankheiten an sich bestimmt, ob Implantate als Versorgungsform sinnvoll sind und welches Konzept (Sofortimplantation, verzögerte Sofortimplantation oder Spätimplantation) die beste Lösung darstellt.

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